Fressen die zionistischen Ideen ihre Väter? Und: Unterdrückte werden Unterdrücker

Zwei letzte Zitat aus: Amos Oz: Judas. Roman. Suhrkamp 2015. ISBN 978-3-518-42479-7. 312 S., ca. CHF 32.90.
Sicher wird’s hier auch wieder eine lebhafte Diskussion geben. Vielen Dank im voraus.
 Nur ein oder zwei Mal hat er sein Schweigens gebrochen und zu mir gesagt, die Väter des Zionismus hätten die religiösen Energien und die messianischen Hoffnungen raffiniert ausgenutzt, die von alters her in den Herzen der meisten Juden sind, und sie haben diese Energien für eine politische Bewegung missbraucht, die im Grunde säkular, pragmatisch und modern war. Aber eines Tages, sagte er, wird sich der Golem über seinen Schöpfer erheben: Die religiösen und messianischen Energien, die irrationalen Ideen, die der Zionismus versuchte in seinen weltlichen und aktuellen Kampf einzuflechten, werden irgendwann explodieren und alles mitreissen, was die Väter des Zionismus vorhatten hier zu schaffen. (S. 223)
Unterdrückte werden Unterdrücker
Das Hauptübel der Menschen, sagte Schealtiel immer, liegt nicht darin, dass die Verfolgten und Unterdrückten sich danach sehen, sich zu befreien und aufrecht zu gehen. Nein. Das Hauptübel liegt darin, dass die Unterdrückten insgeheim davon träumen, selbst zu Unterdrückern zu werden. Die Verfolgten sehnen sich danach, zu Verfolgern zu werden. Die Sklaven träumen davon, Sklavenhalter zu werden. Wie in dem Buch Esther.»  (S. 249)
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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