Kirche: Faszination oder Ärgernis???

Fortunat Wyss, Walter Ludin, Maja Zimmermann & Anke Maggauer-Kirsche: Kirche – Faszination und Ärgernis. Wegwarte Verlag 2015. ISBN 978-3-9524088-2-7. 116 Seiten, CHF 47.-; für Blog-User 35.-
Bei diesem reich illustrierten Bildband des Wegwarte Verlages empfiehlt es sich, von hinten mit Blättern zu beginnen. Lassen Sie sich zuerst zum Thema «Kirche» inspirieren, anregen und bewegen von den zahlreichen eindrücklichen Farbaufnahmen von Kirchen, Kirchenräumen und christlichen Symbolen aus aller Welt des Fotografen Fernand Rausser.
Diese Bilder sind ein schöner Einstieg für den ersten Text von Fortunat Wyss. Der pensionierte reformierte Pfarrer beschreibt seine persönlichen Begegnungen mit dem Fotografen und entwickelt daraus und aus seinen eigenen Erfahrungen als Pfarrer ein Bild der Kirche als Ort der Begegnung und der Gemeinschaft.  Fortunat Wyss ist sich nicht sicher, ob die Kirche als Volkskirche weiterlebt, aber er ist überzeugt, dass es die Kirche weiter braucht, als Ort, wo wir gemeinsam an der christlichen Hoffnung festhalten.
Maja Zimmermann ist in ihrer langen Zeit als reformierte Pfarrerin in Moosseedorf und Bern bescheidener geworden in ihren Erwartungen an die Kirche.  Früher, im Geiste der Befreiungstheologie, war für sie noch alles klar: Die Kirche ist weiblich und soll sich einzusetzen für die Armen und für Gerechtigkeit. Heute aber könne sie die Welt nicht mehr in klare Lager unterteilen, wo Opfer und Täter voneinander getrennt sind.  Heute sieht Maja Zimmermann in der Kirche einen Ort, wo der befreiende Geist des Unruhestifters Jesu wirkt. In dieser Kirche findet sie Raum, «dem Geheimnis Gottes näher zu kommen und zusammen mit andern Menschen etwas von Geist Jesu Christi zu erfahren.»
Ite-Redaktor Walter Ludin wirft einen Blick auf die Kirchengeschichte und zeigt in seinem Beitrag der Wandel von der prophetischen Jüngergemeinde zur mächtigen und staatstragenden Kirche auf. Wenn die Kirche heute die Menschen nicht mehr erreiche, so habe das primär auch mit ihrer «Menschenferne» zu tun. Bleibe sie aber bei den Menschen und sei mit ihnen in ihrer aktuellen Situation unterwegs, so stosse sie auch weiterhin auf Sympathien. Auch Walter Ludin sieht das Ende der flächendeckenden Volkskirche gekommen. Er ist trotzdem, wie alle anderen Autoren, von der Zukunft der Kirche überzeugt, wenn sie nicht einfach zur «Wohlfühl-Religion» wird, sondern die zentrale prophetisch-kritische Tradition der Bibel und von Jesus weiter trägt.
In einem liebevoll-humoristischen Beitrag schliesslich erzählt Anke Maggauer-Kirsche von einem Gott, der ursprünglich in allen Dingen lebte, dann eingeschlossen wurde in speziellen (Kirchen)-Häusern, verwaltet von professionell angestellten Männern und fein säuberlich seziert und sortiert von «gescheiten» Leuten.  Doch Gott war immer noch dort, wo er schon immer gewesen war: In der Umwelt, den Menschen, der Natur. «Nur sahen ihn die Menschen nicht mehr.» Neuerdings aber, so orakelt Anke Maggauer, gebe es gewisse «subversive» Elemente, die begonnen hätten, Gott aus seinen Häusern herauszulassen….
Beat Baumgartner
Wer das Buch zum Spezialpreis erhalten möchte, melde sich bei: wludin@bluewin.ch         Danke im voraus.
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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