An ihrem 20. Geburtstag gab sich die österreichische Plattform «Wir sind Kirche» kämpferisch. Sie zieht Bilanz und überlegt, wofür es sich nach wie vor zu kämpfen lohnt. Aus einem orf-Bericht:
Man habe viel erreicht im Bewusstsein der Kirchenmitglieder, man merke, dass die «innerkirchliche Zwei-Klassen-Gesellschaft mit dem Zölibat und mit der Privilegienwirtschaft» nicht mehr überzeuge. Viele Menschen seien damit nicht mehr einverstanden. «Aber vor allen Dingen haben wir den Eindruck, dass der Begriff Wir-sind-Kirche durchgedrungen ist, dass viele in der Kirche verstanden haben, wir gehen nicht in die Kirche, um uns belehren zu lassen, sondern wir sind Kirche.» Das Kirchenvolk könne und wolle die Kirche mitgestalten.
Es gelte, so fügte die Vorsitzende Martha Heizer hinzu, die Reformbewegungen weiter zu vernetzen, und zwar weltweit, und den seit vielen Jahren erhobenen Forderungen so noch mehr Nachdruck zu verleihen.
«Wir werden unsere Punkte wieder einmahnen, dass das Kommunionverbot für geschiedene Wiederverheiratete anders gehandhabt wird bzw. überhaupt abgeschafft wird, dass schwule und lesbische Paare nicht nur barmherzig behandelt werden, sondern gerecht. Meiner Meinung nach ja auch, dass Priestern ein Familienleben zugestanden werden muss, dass die Sexualmoral überdacht werden muss, dass sie nicht mehr auf dem Naturrecht basieren kann mit dieser biologistischen Annahme, dass Sexualität nur für die Zeugung von Kindern da ist. «Auch die Frage nach demokratischen Prozessen müsse gestellt werden.
Martha Heizer und die rund 1.500 Mitglieder der Plattform «Wir sind Kirche» denken noch lange nicht ans Aufgeben. Es gelte immer noch der Satz der Gründerzeit: «Auftreten statt austreten», so Heizer.
PS:
-»Auftreten … " ist auch ein Vermächtnis meines Kapuzinermitbruders Walbert Bühlman.
– In der Schweiz setzt sich die tagsatzung (www.tagsatzung.ch) für die internationale Vernetzung ein.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant