«An Armut, Elend, Ausbeutung und Kriegen sind wir mitverantwortlich.» Wer nicht naiv oder selbstgerecht ist, wird dieser These zustimmen – vor allem auch im Zusammenhang von Fluchtgründen (so genannte «Wirtschaftsflüchtlinge»). Doch ich habe diese These noch nirgends so gut begründet gesehen wir in: www.infosperber.ch, in einem Beitrag von Urs P. Gasche (gekürzt auch im Tages-Anzeiger erschienen). Höchst lesenswert!
Wir haben die USA politisch und publizistisch unterstützt, als diese zuerst in Afghanistan und dann im Irak völkerrechtswidrig Krieg führten.
Die internationale Rüstungsindustrie durchdringt die politischen Organe und schürt erfolgreich Feindesbilder. US-Präsident Dwight D. Eisenower hatte schon 1961 vor dem militärisch-industriellen Komplex gewarnt.
Der Westen verkauft modernste Waffen an Saudiarabien. Auch die Schweiz. Für die damalige US-Aussenministerin Hillary Clinton waren saudische Geldgeber bereits im Jahr 2010 «die grössten Finanzierer von terroristischen Sunniten-Gruppen weltweit». Zu diesen Gruppen gehören Al Kaida und die IS.
Für die grossen Flüchtlingslager in Jordanien, Libanon und der Türkei stellen die reichen Länder viel zu wenig Geld bereit. Es fehlt an Essen und Hygiene.
In den genannten Ländern erhalten Millionen von Syrern keine Rechte als anerkannte Flüchtlinge, dürfen nicht arbeiten und können ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Gegen diese Verletzung der Genfer Flüchtlingskonvention unternehmen die reichen Staaten nichts.
Viele Länder haben die Türkei mit Kriegsmaterial bestückt. Auch die Schweiz. Zur Zeit entsteht dort ein neuer Brandherd. Noch mehr Kurden müssen flüchten.
Grossbanken und Hedge Funds, in der Schweiz sogar die Nationalbank, investieren in Unternehmen, die Minen und Streubomben herstellen. Weitere fünf Milliarden Franken haben allein Schweizer Grossbanken in Unternehmen investiert, welche Atomwaffen herstellen.
Konzerne und Investmentfonds kaufen oder leasen in Afrika grosse fruchtbare Regionen, um darauf Futtermittel und Agrartreibstoffe für uns Reiche zu herzustellen. Beispiel Äthiopien: «Wir produzieren genug, um die Nation zu ernähren, nur werden die Produkte überwiegend exportiert» (Jawar Mohámmed, Betreiber eines äthiopischen Fernsehsenders in der NZZ). In Äthiopien leiden 75’000 Kinder unter akuter Mangelernährung (Uno).
Wir überschwemmen Afrika mit Agrarprodukten, die wir mit Milliarden subventionieren. Gleichzeitig verbieten Weltbank und Weltwährungsfonds den armen Ländern, ihre lokale Produktion gegen die hoch subventionierten Importe zu schützen.
Die Industriestaaten fischen mit modernster Technik und riesigen Flotten Afrikas Küsten leer und berauben die lokalen Bevölkerungen ihrer Lebensgrundlage.
Was wir bei den eigenen Bauern nie zulassen würden, muten wir den Kaffee-und Kakaopflanzern zu: Ihre Einkommen hängen von spekulativen Ausschlägen an den Rohstoffbörsen ab.
Wir importieren Kupfer, Gold, Uran und andere Rohstoffe, die unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut und gefördert werden, ohne die Rohstoffkonzerne zur Verantwortung zu ziehen.
Wir kaufen billige Kleider, welche Textilkonzerne unter ausbeuterischen Bedingungen produzieren lassen.
Wir helfen der reichen Oberschicht armer Länder, ihre durch Korruption und Ausbeutung erlangten Vermögen diskret auf unsere Banken zu verschieben und vor dem Fiskus und der Öffentlichkeit zu verstecken.
Wir ermöglichen Konzernen, ihre Gewinne in armen Ländern auf Steueroasen zu verschieben. Auch in die Schweiz. Insgesamt fliesst viel mehr Kapital vom armen Süden in den Norden als umgekehrt.
Wir Wohlstandsländer gefährden das Klima – pro Kopf gerechnet – mit Abstand am stärksten. Flüchten vor den Folgen müssen andere.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/16-gruende-warum-wir-am-fluechtlings-elend-mitschuldig-sind/