Die Viren sind wohl die erfolgreichsten Geschöpfe. Und sehr intelligent. Wie ich dazu komme?
Einmal aus der schmerzlichen Erfahrung einer eben durchgestandenen Magendarm-Grippe. Ein Mitbruder hat sie aus Zug eingeschleppt, von einer Klosterfrau, die er dort seelsorglich betreute. Als er bei uns zum Frühstück kam, hat er uns gewarnt, so dass wir Abstand halten konnten. Trotzdem: Zwei Tage später hat es auch mich erwischt. Schon diese Übertragung ist für so kleine Wesen eine grosse Leistung.
Man weiss inzwischen: Bei einer viralen Infektion reagiert der Körper durch Durchfall, um die lästigen Dinger möglichst rasch wieder loszuwerden. Inzwischen lassen sich die Viren dies offenbar nicht mehr gefallen. Bei der neuesten Form der Grippe haben sie den Darm hermetisch verschlossen, so dass nicht das geringste Lüftchen durchging … So kam es, dass mein Magen und meine Därme eine ganze Nacht lang sich drehten und wendeten – im Klartext: Es gab schmerzliche Krämpfe …
Wie konnten die kleinen Dinger so intelligent reagieren und sich lange erfolgreich gegen ihre Ausscheidung durchsetzen? Die Antwort gibt mir ein Buch, das ich vor zehn Jahren gelesen habe: «Der Schwarm» des Frankfurters Frank Schätzling. Die mehr als 1000 Seiten ganz kurz zusammengefasst:
Es geht um allerkleinste maritime Lebewesen. Jedes macht so seine Erfahrungen. Aber im Gegensatz zum Menschen, dessen Hirn eines Tages stirbt, leben sie weiter und verbinden sich von Fall zu Fall mit Unmengen Ihresgleichen. Die Folge: Es entsteht ein riesiges Superhirn. Als diese Lebewesen von der Umweltzerstörung genug hatten, heckten sie raffinierte Pläne aus, um die Menschheit zu stoppen.
Zurück zu den Viren: Ich kenne ihre «Hirne» nicht. Aber seit Milliarden von Jahren haben sie eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit. Und Fachleute sagen: Sie werden in Milliarden von Jahren wohl als einzige überleben. Schöne Zukunftsaussichten für sie! Aber mich werden sie dann in Ruhe lassen.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant