Wie gehe ich mit der Papierflut um?

«Herr, zwischen dir und mir ist zu viel Papier!» Den meisten von uns ist dieser Stossseufzer aus dem Herzen gesprochen. Kaum sind wir wenige Tage fort, stapelt sich auf unseren Schreibtischen die eingegangene Post – ganz zu schweigen von den Massen von E-Mails in unsern elektronischen Briefkästen. Wie sollen wir dieser Flut Herr werden? Konzentrieren wir uns hier auf die «Prints», wie neudeutsch das Gedruckte genannt wird.
In Phasen besonderer Beanspruchung durch Redaktionstermine, Sitzungen u. a. lege ich die eingegangenen Zeitschriften ungelesen auf eine Beige. In den letzten eher ruhigen Sommerwochen kam ich nun endlich wieder dazu, mich durch die Papierberge zu fressen. Darunter waren ziemlich genau 100 ungelesene Zeitschriften.
Nicht wenig Artikel waren offensichtlich veraltet. Aber was sollte ich mit dem grossen Rest tun? Ich erinnerte mich an ein Motto, das ich in einem meiner Büchlein über die Gelassenheit referiert habe, nämlich die Frage: «Weiss ich es schon?» So wird ein Artikel über ein Thema, über das ich schon öfters gepredigt und geschrieben habe, mir kaum einen Erkenntnisgewinn liefern.
Die zweite Frage, die ich mir beim Lesen der Papierberge stelle: «Muss ich das wissen?» Ich werde sicher nicht unglücklich, wenn ich einen «Magazin»-Beitrag über den neuesten Star von Hollywood ungelesen zur Seite lege.
Dank diesen beiden Prinzipien kam ich bei meiner «Nachlese» von Zeitschriften recht zügig voran. Vor dem beginnenden Herbst und dem erneuten Ansturm von Posteingängen und neuen Terminen kam der erhebende Augenblick, in dem ich das Bücherbrett wieder sah, das sich unter den Papieren gebogen hatte.
Und genau am Tag, an dem ich mich selbstkritisch fragte, ob ich die Zeitschriften nicht gescheiter sofort entsorgt hätte, da ich ohnehin viele Inhalte schon wieder vergessen hatte, las ich in reformiert.ch in einer Kolumne von Lorenz Marti, gelesene Inhalte würden in uns «gespeichert», selbst wenn wir sie nicht mehr abrufen können. Wie tröstlich!
Diese Kolumne erschien in der reformierten presse als «Tagebuch»

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/wie-gehe-ich-mit-der-papierflut-um/