Dringende Wünsche an die Bischofssynode

Mein Wiener Freund Hans Peter Hurka vom Netzwerk «zeitgemäss glauben» hat mir einen Pressetext geschickt: die Zusammenfassung des Offenen Briefes, in welchem den Bischöfen Benno Elbs /Vorarlberg und Kardinal Christoph Schönborn nochmals die Dringlichkeit praktischer und akzeptierbarer Entscheidungen der Bischofssynode ans Herz gelegt. Ich denke, es lohnt sich, den Pressetext in voller Länge wiederzugeben.
Handeln ist nötig!
Das Netzwerk: zeitgemäss glauben hat wenige Wochen vor der Vatikanischen Familiensynode, die vom 4. bis 25. Oktober 2015 in Rom stattfinden wird, die Bischöfe, die die österreichischen Gläubigen bei der Synode in Rom vertreten werden, nochmals auf die «Heissen Eisen» hingewiesen, die dringend einer Lösung bedürfen.
Eine sehr grosse Zahl der Gläubigen erachtet deutliche Veränderungen in den Lehraussagen zur Sexualmoral und im Frauenbild, insbesondere bei den sogenannten «Heissen Eisen», als für die Zukunft der Kirche bedeutsam. Nach 300 Jahren wissenschaftlicher Bibelforschung wäre für gläubige, vor allem aber für kritisch denkende Menschen eine praktisch anwendbare, zeitgemässe Exegese bis in die pfarrliche Verkündigung hinein, dringend erforderlich.
Die Gläubigen erwarten eine Abkehr von rigoros verurteilender und diskriminierender Sexualmoral. Sie sehen sich selbst in der Lage, ihre Entscheidungen unter Beachtung ihres Gewissens wohlüberlegt und verantwortungsbewusst, eigenverantwortlich zu treffen und erwarten dort eine die Würde und die Gewissensentscheidungen der Menschen achtende Begleitung mit wissenschaftlich fundierten Hilfestellungen, wo sie es wünschen.
Dazu mag es mehr oder weniger grosse theologische Fachfragen zu klären geben. Trotzdem erwarten die Gläubigen von dieser Synode Resultate, die praktische, vielleicht auch regional unterschiedliche Leitlinien umfassen, die jedenfalls mit Verurteilungen von allem «Sexuellen», Zweitehen nach Scheidungen oder Lebensgemeinschaften von Schwulen oder Lesben endlich Schluss machen.
Insbesondere sind das die Akzeptanz von
«»¢ Gewissensentscheidungen
«»¢ einer dem Alter und der Lebenssituation angepassten Empfängnisregelung
«»¢ Zweitehen nach Scheidung samt deren Segnung nach einer Zeit der Selbstprüfung
«»¢ Lebensgemeinschaften von Lesben und Schwulen samt deren Segnung
Ebenso sehen die Menschen den Pflichtzölibat als dringend reformbedürftig. Es ist höchste Zeit, dass Priester die Frage, ob sie in einer Ehe oder zölibatär leben wollen, unabhängig von der Entscheidung zum priesterlichen Dienst und vor allem frei von jeglichem Zwang treffen können.
Im Zusammenhang mit überholten Vorstellungen zur Sexualität hält die Kirchenleitung leider immer noch an heute vielen Menschen völlig unvorstellbaren, falschen Frauenbildern fest, die diskriminierende Wirkungen hervorbringen. Deshalb hat die Frage der Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche eine besonders hohe Dringlichkeit. Es ist höchst an der Zeit, zumindest das Diakonat der Frau praktisch umzusetzen und dafür entsprechende Schritte zu setzen.
Viele Menschen haben sich von der Kirche abgewendet, auch aus Gründen einer überholten Sexualmoral. Eine hohe Zahl der Gläubigen lassen viele Moralvorschriften der Kirche zur Sexualität unbeachtet und handeln selbstständig und eigenverantwortlich, entsprechend ihrem Gewissen, weil sie einzelne kirchliche Vorschriften für weltfremd, lebensfeindlich und untragbar halten. Die Achtung der Würde der Gläubigen verdient daher eine öffentliche Entschuldigung der Kirchenleitung für diese viele Jahre andauernde rigorose Sexualmoral.
Diese Fragen sind praktische Hindernisse, die der Achtung der Würde der Menschen und damit der Glaubwürdigkeit der Botschaft Jesu im Wege stehen. Umso dringlicher ist es, dass die Vertreter Österreichs an der Bischofssynode betroffen und überzeugend argumentieren, weitere meinungsbildende Kooperationspartner suchen und sich mit allen ihren Möglichkeiten bemühen, damit zum Abschluss der Synode praktikable und akzeptierte Lösungen erreicht werden.
 
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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