Viele Köche verändern den Brei

Das Schema über die Kirche gehörte zu den umstrittensten in den ersten Monaten des Jahres 1963. Sebastian Tromp SJ, der Sekretär der theologischen Konzilsdiskussion und «das theologische Gehirn Kardinal Ottavianis», so Mario von Galli (LE 72), kämpfte eisern für die Beibehaltung des ursprünglichen Schemas, an dessen Formulierung er massgeblichen Anteil hatte. Noch am 21. Februar 1963 setzte er sich zusammen mit anderen in der Koordinierungskommission mit dem Votum durch, dass es kein neues Schema geben solle – dabei hatten die Konzilsväter im Dezember zuvor deutlich gezeigt, dass sie das Schema nicht annehmen wollten. Eine Unterkommission wurde mit der weiteren Arbeit betraut.
Offenbar ist bei der Zusammensetzung der Unterkommission nicht sehr genau kontrolliert worden, wer darin aktiv werden würde. Die sieben Bischöfe der Unterkommission waren mehrheitlich Vertreter des eher zur Erneuerung bereiten Teils der Konzilsväter. Und entsprechend klangen auch die Namen der angeschlossenen theologischen Berater, u.a. Rahner, Philips, Daniélou, Congar.
Am ersten Arbeitstag der Unterkommission empfing diese den schwierigen Auftrag der Koordinierungskommission: «ne quid novi fieret» («Dass nicht ein neues Schema gemacht werde»).
Die Unterkommission legt diese Vorgabe sehr weit aus und diskutierte auch die alternativen Schemata, die bereits kursierten – es waren schon fünf meist nach Sprachgruppen oder Nationen entstandene Alternativen im Spiel. Bald setzte sich eine grosse Mehrheit der Kommissionsmitglieder durch und beschloss, das Schema des belgischen Theologen Gérard Philips zur Grundlage der Weiterarbeit zu nehmen. Philips, der in seinem Entwurf verbindende Elemente zum alten Schema und zugleich zahlreiche internationale Stimmen neu aufgenommen hatte, war schon im Oktober 1962 von Kardinal Suenens gebeten worden, einen Alternativentwurf vorzulegen. Jetzt zahlten sich seine Arbeit und die Weitsicht Kardinal Suenens aus – und Gérard Philips wurde sogleich zum Leiter der Arbeitsgruppe für die weitere Arbeit ernannt.(ab; A2, 471 – 473)

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