Augen und Ohren öffnen

 »Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! … Die Augen der Blinden werden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.»
Die hoffnungsvollen Sätze stehen in der heutigen 1. Lesung. Sie sind heute notwendiger denn je. Denn angesichts der Weltlage herrscht viel Verzagtheit, Mutlosigkeit auf unserer Erde.
Mit Blick auf die Schreckensherrschaft der nahöstlichen Mörderbanden, die bereits ein Gebiet von der Grösse Englands terrorisieren, ist man versucht, sich an ein Wort des deutschen Dichters Reinhold Schneider zu erinnern. Zur Zeit der Naziherrschaft und des Zweiten Weltkrieges meinte er: «Nur den Betern kann es noch gelingen.» So wollen wir auch in der heutigen Feier für den Weltfrieden beten. Damit ein Wunder geschieht …
Die Verheissungen Gottes betreffen aber nicht nur den grossen Lauf der Dinge. Sie haben auch mit unserem Alltag zu tun, mit unserem Zusammenleben, mit unserer alltäglichen Kommunikation. Wenn Jesus den Taubstummen heilt, wenn er Blinde sehend macht, heisst dies konkret:

Er will uns helfen, aufeinander zu hören.
Er schenkt uns offene Augen/Ohren für die Nöte der andern.
Und: Jesus hilft uns, das rechte Wort füreinander zu finden.

(Ich beschränke mich hier im Blog auf den dritten und letzten Punkt:)
Jesus hilft uns, das rechte Wort füreinander zu finden.
Sich kennen sicher das Sprichwort: «Worte können töten.» Sie können aber auch Leben schenken, Bedrückte aufrichten, Traurige trösten.
Auch hier gilt: Oft sind wir stumm. Vielleicht kennen Sie den Witz: Hansli kann offensichtlich nicht reden. Doch als er 20 ist, meckert er: «Die Suppe ist versalzen.» Die Eltern sind bass erstaunt: «Was, du kannst reden! Warum hast du nie etwas gesagt?» Die Antwort: «Bis jetzt hat immer alles gestimmt.»
Ich befürchte, wir alle kennen Menschen, die sich vor allem dann zu Wort melden, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Nie melden sie sich, wenn es etwas zu loben gäbe.
Und dennoch: Bisweilen ist ein kritisches Wort angebracht. Wenn es um Unrecht geht, dürfen wir nicht schweigen. Ich denke da an Situationen, die viele von uns schon erlebt haben: Im Bus, im Zug oder anderswo wird ein geistig Behinderter ausgelacht oder ein Flüchtling laut beschimpft. Dann dürfen wir nicht schweigen.
In einer Predigtvorlage im Internet finde ich die folgende Aufzählung, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
– Schweige nicht feige, wo du reden müsstest. – Sprich ein klares Ja oder Nein. – Bete, danke, erbitte. – Vertrau dich an. – Vertritt deine Meinung, bezeuge deinen Glauben. – Gleiche aus, sei Fürsprecher. – Anerkenne das Gute, die Mühe, das Gelungene. – Ermutige, tröste, richte auf. – Sprich los, entlaste. – Bekenne dich zu deinen Fehlern, Schwächen, deinem Versagen. – Begeistere, überzeuge, mahne. – Sag Ja zu Gott und seinem Willen.
(Buchrain LU: Sa 18.30 Uhr; Kloster Gerlisberg So 17 Uhr)

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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