Viele Drogenabhängige «haben Schlimmes erlebt. Sexuellen Missbrauch und Gewalt in der Familie zum Beispiel. Die Drogen sind ein Weg, an solche Erlebnisse nicht mehr denken zu müssen», sagte in einem Interview Sepp Riedener, der Pionier der kirchlichen Luzerner Gassenarbeit, bevor er heute in Pension geht.
Am Samstag konnte er mit zahlreicher Prominenz das 30jährige Bestehen der Gassenarbeit in Luzern feiern. Er ging am Anfang mit einem Rucksack auf die Gasse, suchte das Gespräch mit Süchtigen und verteilte saubere Spritzen – die teilweise gleich wieder von Polizisten eingesammelt wurden. Heute sei das Verhältnis zur Polizei ganz anders, war am Festakt zu erfahren. Polizisten sind nicht mehr Kontrahenten, sondern Partner.
Sepp erzählte von einer eindrücklichen Statistik. 1993 lehnte das Volk den Betrieb eines «Fixerstüblis» ab. Innerhalb drei Wochen gelang es dem «Verein kirchliche Gassenarbeit, einen «Spritzenbus» aufzustellen, der monatlich 13 000 (!) saubere Spritzen abgab. Das Resultat: Es gab kaum mehr Ansteckungen mit Aids …
Auch Abhängige sind Menschen mit unantastbarer Würde. Darum ist ihnen mit Respekt und Toleranz zu begegnen, war an der Feier oft zu hören.
Übrigens: Begegnungen zwischen Drogenabhängigen und der breiten Bevölkerung werden durch die GasseZiitig ermöglicht. Süchtige verkaufen jeweils auf den Luzerner Strassen 10 000 Exemplare – bei einer Bevölkerung von rund 70 000. Ich freue mich, dass ich als Abschlussredaktor einen kleinen Beitrag zu diesem Erfolg leisten kann …
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant