Wie dachte Johannes XXIII. über das Papsttum? Darüber gibt uns nicht eine gelehrte Abhandlung des Kirchengeschichtlers Angelo Roncallis Auskunft, sondern sein Leben. In seiner ersten Enzyklika «Ad Petri cathedram» vom 29. Juli 1959 aber bekräftigte er nicht nur die Konzilsankündigung vom 25. Januar 1959, sondern betonte im gleichen päpstlichen Schreiben: «Wir kennen die Geringheit Unserer Person, die Gott (…) zur Würde des Papsttums erhoben hat. Deshalb wiederholen wir die Worte [des ägyptischen Joseph] an alle Unsere vom Stuhl Petri getrennten Brüder und Söhne: Ich bin Joseph, euer Bruder.» Diese Worte von Johannes XXIII., dem der wirkliche Durchbruch zur Ökumene zu verdanken ist, drücken Offenheit und Demut gegenüber den Nichtkatholiken aus. Das Gleiche galt bei ihm aber auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche, wie mehrere Grundzüge seines Pontifikats aufzeigen. So besetzte der Roncalli-Papst kurz nach Amtsantritt die im Kirchenrecht vorgesehenen, aber unter Pius XII. vakanten oder unzureichend besetzten Kurienämter gewissenhaft neu, mit regelmässigen Empfängen der höchsten Amtsträger, so dass wieder Austausch und Diskussion möglich wurde. Damit verband sich eine betonte und bewusste Hochschätzung der Bischöfe als seiner unmittelbaren Brüder in der apostolischen Nachfolge, im Gegensatz zu Pius XII., der die Bischöfe weitgehend als Befehlsempfänger betrachtet hatte. Roncalli verstand sich nicht als Politiker und Diplomat, sondern geradezu ausschliesslich als Seelsorger, als guter Hirte – der Hauptgrund für die grosse Popularität des rundlichen Papstes, der so die Herzen öffnen konnte, wo man dies nie für möglich gehalten hatte. Diese päpstliche Güte und Barmherzigkeit war nicht nur den Mitgliedern der römisch-katholischen Kirche, den orthodoxen Kirchen und anderen kirchlichen Gemeinschaften vorbehalten, sondern galt der ganzen Menschheit, fühlte sich Johannes XXIII. doch auch für die Erhaltung der Menschenwürde und des Weltfriedens verantwortlich.Er hatte dabei das Papsttum in gesunder Weise relativiert, wenn man an folgende berühmte Anekdote denkt: «Mein Schutzengel sagt mir öfters: Johannes, nimm dich nicht so wichtig!» Der Papst als Mensch also, wie dies auch in der Begründung von Papst Benedikt XVI. bezüglich dessen unerwarteter Amtsniederlegung aufscheint.(ufw; vgl. Georg Schwaiger: Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert. München 1999, S. 310-343)
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