Müssen wir mehr als 2 Mio Flüchtlinge aufnehmen?

Es herrscht «Asylnotstand»: Wenn ein Kanton einige Hundert Flüchtlinge aufnehmen muss … Und vergisst, in welch komfortablen Lage wir sind, im Vergleich mit andern –armen!!! – Ländern, die weitaus mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen. Aus dem Bulletin vice-versa der ref. Kirche Bern-Jura-Solothurn:
Der Libanon hat bis heute 1,1 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Dies ist mehr als ein Viertel der eigenen Bevölkerung, wie Pascal Schwendener festhält. Auf die Schweiz übertragen würde das bedeuten, dass mehr als 2 Millionen Menschen bei uns Schutz suchen würden! Tatsächlich leben jedoch nur gut 80›000 Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge bei uns, das sind weniger als 1% der Gesamtbevölkerung.
Keine Panik also, könnte man sagen. Aber die Statistiken leben von kurzfristigen Vergleichen. Zum Beispiel: 2014 sind 11% mehr Asylgesuche gestellt worden als 2013! Dabei geht vergessen, dass es auch Zeiten gab während der Balkankrise, in denen die Schweiz mit viel mehr Schutzsuchenden konfrontiert war und die Probleme trotzdem lösen konnte.  (…)
(Wenn an einem Ort Asylanten aufgenommen werden sollten) kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Anwohner wehren sich gegen «die Fremden», aus reiner Fremdenfeindlichkeit, aber auch mit prüfenswerten Argumenten. Meistens klappt das Zusammenleben nach den anfänglichen Unsicherheiten aber ganz gut. Das «kirchliche Hafen-personal» (Frank Mathwig), das die biblische Gastfreundschaft hoch hält und Fremde willkommen heisst, trägt Wesentliches dazu bei
Aber reicht das? Müssten wir uns nicht weiter aus unserer Komfortzone hinauswagen? Die CCME (Churches› Commission for Migrants in Europe), der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen und weitere Stellen und Personen wollen uns wachrütteln. Sie fordern dringend ein grösseres Engagement und Kreativität im Umgang mit den aktuellen Herausforderungen:

Ein besserer Schutz für Flüchtlinge unterwegs sei nötig, zum Beispiel durch neue extraterritoriale Zugänge zum Asylverfahren als Ersatz für das aufgehobene Botschaftsverfahren oder durch weniger einschränkende Bestimmungen zum humanitären Visum.

PS von WLu: Anstelle eines grösseren Engagements kommt es immer wieder zu grösseren Restriktionen. Noch jede Änderung von Asylgesetzen brachte eine Verschlechterung für die Asylsuchenden. Im Schlepptau der SVP stimmten alle bürgerlichen Parteien zu. Nicht zuletzt im Hinblick auf die Wahlen. Aber: Man wählt das (fremdenfeindliche) Original und nicht die Kopie. Das hat z.B. die CVP noch nicht gemerkt….

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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