Spontane Verfügbarkeit

Am 1. März 1963 erhält P. Yves Congar eine Expressnachricht: eine einfache Karte von P. Daniélou, der ihn bittet (auffordert?), sofort nach Rom zu kommen. Congar ist fast etwas verstimmt – er findet das etwas leichtfertig, zumal im Blick auf seine Engagements, die er absagen müsste. Warum hat man ihn nicht früher benachrichtigt? Wird es einmal mehr nur unnütze Arbeit geben? Und doch, es könnte auch wichtig sein – und so entscheidet sich Congar, sich auf den Weg zu machen, und zwar am selben Tag noch. Route (derart kurzfristig nicht anders möglich): von Strasbourg aus nach Offenburg – Basel – Zürich, von Zürich mit dem Flugzeug nach Rom. In einer Viertelstunde wird der Koffer gepackt, und auf geht’s – durch eine Schweiz, die ganz unterm Schnee versunken ist, die Seen gefroren.
Im Angelicum trifft er auf Kardinal Lefebvre und die Bischöfe Garrone, Martin, Cazaux sowie den Kanoniker Jean Streiff. Er erfährt, dass man sich eine ganze Woche über das Verhältnis von Schrift und Tradition gestritten hat. Auch die Neuigkeiten über das Kirchenschema werden ausgetauscht. Die Tagebuchnotiz vom 1. März endet mit einer persönlichen Notiz: «Mir ist sehr kalt. Das Flugzeug war bei der Ankunft sibirisch kalt» (Co 1,330).
Noch ganz unklar ist, wie P. Congar überhaupt in die Kommissionsarbeit einbezogen werden soll. Dies klärt sich am folgenden Morgen: P. Daniélou will wegen Überlastung aus der Unterkommission De Ecclesia ausscheiden; P. Congar soll ihn ersetzen. Ausserdem habe Ottaviani zweimal erklärt, dass jeder vom Papst ernannte Konzilsberater an den Sitzungen der Gemischten Kommission zur Offenbarung und an den Sitzungen der Theologischen Kommission teilnehmen könnte.Bereits am Nachmittag des 2. März 1963 nimmt Congar an der Sitzung der Unterkommission De Ecclesia teil. Staunenswerte spontane Verfügbarkeit.(emf)

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