Kath.de, das dt. Pendant zu unserem Kirchenportal kath.ch, gab einem Wissenschafter den Auftrag, über Homosexualität aus biblischer Sicht zu schreiben. Doch der Artikel durfte nicht erscheinen. (Bei uns kenne ich kein Beispiel solcher Zensur… Danke, liebe KollegInnen!) Wir dokumentieren den «gefährlichen» Beitrag:
Ist Homosexualität unbiblisch?
Überlegungen im Vorfeld der Familiensynode in Rom
Von Stefan Scholz
Männer lieben Frauen und Frauen lieben Männer und die Ehe ist hierzu die rechte Gestalt. Ganz so einfach waren menschliche Partnerschaften freilich noch nie gestrickt, aber seitdem Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender et cetera die Palette an Lebensformen auch in der öffentlichen Wahrnehmung erweitert haben, lässt sich der Bruch zwischen klassisch-christlicher Sexualmoral und gelebter gesellschaftlicher Vielfalt immer schwerer überbrücken.
Ich beschränke mich hier auf den Konflikt zwischen biblischen Aussagen zur Homosexualität und heutigen gleichgeschlechtlichen Beziehungen, die es selbstredend nicht nur ausserhalb von Kirche gibt. Im Vergleich zu recht intensiv geführten Debatten in Kirche und Theologie ist Homosexualität in der Bibel jedoch ein klares Randthema mit weniger denn zehn einschlägigen Stellen. Im Grunde ist die Lage klar. Gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr ist Sache der Heiden und gilt als unvereinbar mit dem Jahwe-Glauben beziehungsweise dem Leben in Christus und wird daher strikt abgelehnt. Doch wie dies genau zu verstehen und einzuordnen ist, das ist weit weniger eindeutig.
Im Alten Testament werden vor allem folgende drei Stellen herangezogen: Erstens das Heiligkeitsgesetz, welches detailliert Formen erlaubter und verbotener körperlicher Begegnung zu regeln trachtet.
Gleich an zwei Stellen fordert es uneingeschränkt und unmissverständlich für mann-männlichen Geschlechtsverkehr die Todesstrafe, 3Mose 18,22 und 20,13. Umstrittener ist zweitens die Erzählung von der Vernichtung Sodoms und Gomorrhas in 1Mose 19. Ob die Boshaftigkeit der Männer dieser Städte tatsächlich durch gleichgeschlechtliche Gewalt ausgewiesen werden kann und die Orte deswegen untergehen, wird heute so nicht mehr als Mehrheitsmeinung in den Bibelwissenschaften gesehen. Vielmehr dürfte es um die Verletzung des Gastrechts und um andere Formen sexueller Übergriffigkeit gehen. Eventuell nur liegen drittens erotische Anspielungen in der Schilderung der Freundschaft von David und Jonathan in 1Sam 18,1-4 vor.
Im Neuen Testament sind es ebenfalls drei hauptsächliche Stellen, die in diesem Zusammenhang genannt werden: Miteinander verwandt sind zunächst zwei Lasterkataloge, 1Kor 6,9 und 1Tim 1,10. Hier werden verschiedenste Übel und Gräuel aufgezählt. Wer so tut, dem bleibt der Himmel verschlossen. Beides Mal mit dabei sind neben Lügnern, Mördern und Unfrommen eben auch Menschen, die mann-männlichen Geschlechtsverkehr treiben.
Besonders aufschlussreich ist schliesslich Röm 1,26+27. Dies ist die einzige Stelle, die auch frau-frauliche Sexualität mitbedenkt. Hier wird gleichgeschlechtliches Begehren nicht als etwas angesehen, das eine bestimmte Sanktion nach sich zieht wie die Todesstrafe oder den Ausschluss vom Heil. Vielmehr wird hier das Verlangen nach dem gleichen Geschlecht selbst schon als quälende Peinigung für eine Verirrung und den falschen Glauben verstanden.
Soweit der ebenso schmale wie klare biblische Befund, dem eine Reihe von schwierigen Anschlussfragen gegenüberstehen.
Fortsetzung folgt
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/homosexualitaet-was-die-deutschen-katholiken-nicht-lesen-durften-1/