Proteste «gegen die Abtreibung»: oftmals Heuchelei

Es ist leicht, «gegen Abtreibungen» zu protestieren – abgesehen davon, dass jene, denen unterstellt wird, «für die Abtreibung» zu sein, meistens nur für Straffreiheit sind.
Von einem unüblichen Umgang mit der Problematik erzählt der mexikanische Bischof Raul Vera (er einst Nachfolger von Bischof Samuel Ruiz in Chiapas war):
«Ich denke mit der Kirche, dass die Abtreibung ein Mord ist. Der Unterschied ist, wie man damit umgeht, wie man bestraft. Themen wie Abtreibung und Ehe unter Homosexuellen dienten der Kirche meist nur als Vorwand, um sich als eine moralische Instanz zu profilieren. Dabei sind wir gleichzeitig nicht fähig die Rechte der Arbeiter zu verteidigen. Es ist sehr leicht, sich gegen die Abtreibungsbefürworterin zu stellen, das verursacht kein Problem und ausserdem bekommen wir von der Rechten Unterstützung.
Schauen Sie, bei der Landeskampagne gegen die Abtreibung,  zu Gunsten des Lebens, was habe ich gemacht. Ich organisierte Rosenkranzgebete mit dem ganzen Volk, um über die Verteidigung des Lebens der Migranten, die Verteidigung des Lebens der Bergarbeiter, die Verteidigung des Lebens der Frauen und die Verteidigung des Lebens der Ungeborenen zu meditieren. Wir sind aber Heuchler …
Es scheint, als ob die einzigen moralischen Normen wären, die Ehe unter Homosexuellen zu verdammen, die Befürworterinnen der Abtreibung zu verdammen. Damit sind wir dann ja schon vollkommene Christen!

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/proteste-gegen-die-abtreibung-oftmals-heuchelei/