Ohne Vertrauen geht nix ....

«Die Leute lachten über Jesus.», heisst es im heutigen Evangelium.Ich denke, wir müssen vorsichtig sein und diese Leute nicht vorschnell verurteilen. Denn lachen nicht auch heute viele über das, was Jesus gesagt hat.
Ein Beispiel: sein Aufruf zur Gewaltfreiheit: «Wenn jemand dich auf die Backe schlägt, dem halte auch die andere hin.» Oder auch: «Vergeltet nicht Böses mit Bösen. Betet für jene, die euch verfolgen.» Und ganz besonders auch: «Liebt eure Feinde.»
Seien wir doch ehrlich: Viele finden so etwas lächerlich. Unsere ganze Weltordnung ist doch darauf ausgerichtet, mit sich mit Gewalt zu wehren.
Man müsste darüber stundenlang reden. Hier nur zweierlei:

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Man spricht dann von der Spirale der Gewalt. Alles wird immer schlimmer.
Erinnern wir uns an das Jahr 1989: In der damaligen DDR haben nicht Bewaffnete das Regime bezwingen, sondern Menschen, die mit Kerzen in den Händen gewaltfrei protestierten.  So lächerlich ist Jesu Rede vom gewaltfreien Widerstand offensichtlich doch nicht.

 
Ich möchte noch einen andern Satz herausgreifen, der mir aufgefallen ist. Jesus sagt zum Synagogenvorsteher: «Sei ohne Furcht. Glaube nur.»
Anstelle des Glaubens können wir auch das Wort «Vertrauen» einsetzen.» Damit sind wir bei etwas ganz Wesentlichen im menschlichen Leben – auch im Alltag. Wie würde das Leben ohne Vertrauen aussehen:

Wir gingen zu keinem Arzt oder Zahnarzt, wenn wir ihn nicht vertrauenswürdig fänden.
Wohl jede Ehe würde früher oder später in Brüche gehen, wenn die Partner nicht Vertrauen zueinander hätten, sondern sich zum Beispiel von einem Privatdetektiv überwachen liessen.
Oder ganz, ganz aktuell: Sie wären heute Morgen nicht hierher in die Kirche gekommen, wenn Sie nicht darauf vertraut hätten, dass ich rechtzeitig aufgestanden wäre, um rechtzeitig hier in Altishofen anzukommen.

Darum: Wenn Jesus zum Vertrauen aufruft, dann greift er mitten ins Leben hinein. Wir wissen auch, dass er uns zum vertrauensvollen Gebet aufruft.
Vertrauensvoll beten/inständig bitten: Dabei wird vorausgesetzt, dass wir Menschen bedürftige Wesen sind.

Wir sind auf Gott angewiesen: «Wenn du jemandem den Atem entziehst, dann stirbt er», heisst es in einem Psalm.
Ebenso sind wir auf andere Menschen angewiesen. Wir sind keine völlig autonome, unabhängige Wesen, die auf einer Insel leben. Selbst Robinson war auf seinen Freitag angewiesen.

Oft fällt es uns schwer, unsere Abhängigkeit einzugestehen. Eine Ordens-Schwester aus sozial tätigen Gemeinschaft verriet mir, das Motto ihrer Kongregation sei: «Helfen und sich helfen lassen.» Vor allem das Zweite, das Sichhelfenlassen, falle ihr oft schwer.
Franz von Assisi musste seine Brüder einladen, «einander vertrauensvoll ihre Nöte zu offenbaren». Wäre dies selbstverständlich, hätte es diese Mahnung nicht gebraucht. Denn oft verbietet es unser Stolz, einander unsere Hilfsbedürftigkeit, unsere Nöte einzugestehen. Vielleicht kennen Sie das kurze, kaum eine Minute dauernde Lied von Hildegard Knef:
«13 Fische hatten die gleiche Neuralgie. Doch weil sie stolz waren, sagten sie es nie.»
https://www.youtube.com/watch?v=mEhY871yGDc
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir uns dauernd unsere Wehwehchen vorjammern. Aber es heisst, Nöte miteinander zu teilen. Denn: «Geteiltes Leid ist halbes Leid.»
Und wenn wir dann noch erst noch bereit sind, etwas zur Linderung der Not unserer Mitmenschen zu tun, leisten wir unsern Beitrag zu einer besseren Welt.
Altishofen LU, So 10.00 Uhr

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/ohne-vertrauen-geht-nix/