Das Bild im Pfarrblatt sprang mir in die Augen: Sie sitzt hoch zu Ross, eine Monstranz um den Hals gehängt: die Pfarreileiterin Regina P. von Wauwil-Egolzwil während des Umrittes zu Christi Himmelfahrt. Ein schönes Bild – an das aber sogar ich mich gewöhnen muss. Denn in meiner Heimat Grosswangen haben auch wir einen Umritt. (Als Kinder fieberten wir auf den Augenblick hin, da wir erstmals den ganzen «Umgang» mitmachen durften, immerhin 25 Kilometer…..). Die Monstranz trug zum «meiner Zeit» selbstverständlich ein Mann: der würdig blickende Hochwürden Herr Pfarrer.
Und nun eine Frau … Und ausgerechnet in der Heimat meines Vaters. Denn:
– Tante E. hat mir vor vielen Jahren entsetzt vom «Skandal» erzählt, den eine Nachbarin ausgelöst hatte. Diese hatte die Frechheit, im Gottesdienste auf der «Männerseite» zu sitzen (selbstverständlich mit ihrem Mann).
– Cousin L. erzählte mir, Männer aus der Pfarrei seien sonntags in die Kirche (des 1988 aufgelösten) Kapuzinerklosters Sursee in die Messe, weil sie sicher sein konnten, dass nicht eine Frau die Lesung vortrug (sondern einer der Brüder). – Und nun steht Sonntag für Sonntag eine Frau am Altar. Was würde Tante E. sagen? Und diese Männer? Vielleicht sitzen sie bei den himmlischen Heerscharen, Seite an Seite mit Frauen … Oder sie mussten sich umgewöhnen.
PS. Regina fragte mich dieses Jahr an, ob ich die Umrittspredigt halten könne: «Ein Ross würde ich dir gerne zur Verfügung stellen.» Ich winkte ab: «Ich komme gerne ein andermal zum Predigen, aber auf dem Boden stehend nicht auf dem Ross sitzend.» Denn ich war bloss als Kind einmal etwa 20 Sekunden auf einem Pferd, auf einem lammfrommen, das den bezeichnenden Namen «Schöf» (»Schaf») trug …
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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