«Christen und andere Juden»

Sie scheinen sich überraschenderweise einig zu sein: Peter Handke und Kurt Koch. Der österreichische Schriftsteller prägte einst den Begriff «Christen und andere Juden». Der Schweizer Kardinal verweist auf die enge Verwandtschaft von Christentum und Judentum. Aus einer Meldung von kath.ch
Hitler hasste Juden und Christen
Adolf Hitler hat nach den Worten von Kurienkardinal Kurt Koch viel stärker die innere Verwandtschaft von Christentum und Judentum erfasst als die Christen damals selbst. Dies müssten die Christen mit tiefer Beschämung zur Kenntnis nehmen.
Die Christen hätten allen Grund, ihre Mitverantwortung an der grenzenlosen Brutalität des Nationalsozialismus gegenüber den Juden und ihren mangelnden Widerstand dagegen zu bekennen, sagte Kurt Koch. «Und wir Christen müssen ehrlich bedauern, dass erst das beispiellose Verbrechen der Schoah ein wirkliches Umdenken bewirken konnte», so der Schweizer Kurienkardinal.
Antijudaismus schwächte Widerstand gegen Nazis
Koch verwies auf die Tagebücher von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, aus denen hervorgehe, dass Hitler neben den Juden auch das Christentum als «Abzweigung der jüdischen Rasse» gehasst habe. Die Schoah könne deshalb nicht dem Christentum als solchem zugerechnet werden, sondern sei von einer gottlosen und neuheidnischen Ideologie geleitet gewesen. Allerdings sei der Widerstand der Christen gegen den nationalsozialistischen Antisemitismus deshalb so schwach gewesen, weil ein über Jahrhunderte hin wirksamer christlich-theologischer Antijudaismus eine weit verbreitete Antipathie gegen Juden begünstigt habe.
PS. Auch das muss hier wieder einmal betont werden: Wer den jüdischen Glauben wertschätzt, muss nicht automatisch alles verteidigen, das die Juden in ihrem Staat tun. Und umgekehrt: Nicht jeder, der Israel kritisiert, ist ein Feind des jüdischen Glaubens.

Walter Ludin

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