Sorry, dies hätte nicht passieren dürfen. Ich habe bereits am Samstag meinen Beitrag für heute vorproduziert. Wahrscheinlich wegen einer Fehlmanipulation von mir ist er im Cyber-Nirwana verschwunden. Hier ist er wieder (allerdings in einer verkürzten Fassung, da ich die Ergänzungen vom Samstag nicht mehr hinzufügen kann, weil ich einige dringende Pendenzen habe).
Mein «tagebuch» der reformieren presse vom Freitag:
Der Blick über die Grenzen relativiert viele Probleme. Ich durfte dies erfahren, als ich an einem Treffen von Kapuzinern aus mehreren europäischen Ländern teilnahm. (Ich berichtete hier bereits darüber.) Unter den Teilnehmern war ein Bruder aus Malta. Seine Gemeinschaft ist in der Flüchtlingshilfe stark engagiert.
Wenn jemand von «Asylantenflut» sprechen darf, so dieser Inselstaat im Mittelmeer. Innerhalb von sechs Jahren stieg der Anteil der Flüchtlinge von Null auf 20 Prozent. «Vorher gab es keinen einzigen Schwarzen auf Malta», erzählte der Bruder. Die Bevölkerung, die zuerst den ungewohnten Fremden ablehnend gegenüberstand, hat «sich bekehrt». «Multikulti» wird nicht mehr abgelehnt, sondern gelebt.
Es gibt sie auch auf Malta selbstverständlich noch: Gegner der Asylsuchenden. Sie würden jedoch in Bezug auf die Fremden nur eine der drei Kategorien bilden. Die zweite Gruppe bildeten die «Indifferenten». Sie seien durch eine kluge Meinungsbildung zu beeinflussen. So würde die dritte Gruppe, die «Helfer» stetig wachsen. Eine auch für uns Schweizer und Schweizerinnen hoffnungsfrohe Botschaft …
Im Verlaufe unseres Treffens kam im Blick auf Europa noch eine vierte Kategorie zur Sprache: die «Heuchler». Zu ihnen zählte man die Politiker der EU, die angesichts der jüngsten Tragödien im Mittelmehr an ihrer Krisensitzung ihre tiefe Betroffenheit ausdrückten, ohne wirkungsvolle Massnahmen zu beschliessen.
Zurück zur «multikulturellen» Gesellschaft: Ein Gast aus Peru erinnerte daran, dass unser Kontinent in den letzten 50 Jahren tief greifende Änderungen durchmachte; und zwar in Bezug auf Essen (Pizza und Sushi haben auf unseren Tischen ihren Platz gefunden!), Kleidung (Bluejeans werden nicht mehr mit US-Goldgräbern in Beziehung gebracht ) und Kultur (wer stört sich etwa noch an englischer Musik?) Die lapidare, trostvolle Folgerung: Trotz allem gibt es sie noch, die Europäer; und sogar die Schweizer.
Kurz: Die Erfahrung, zur weltweiten franziskanischen Ordensfamilie zu gehören, war für mich eine Bereicherung.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/wo-fluechtlinge-willkommen-sind-verspaetete-aufschalstung-dieses-blogs/