Heute nehme ich einen Kommentar zum Ausgangspunkt meines Beitrags. Kürzlich zitierte Roland Hinnen aus «Christ in der Gegenwart», wonach das Flüchtlingselend nicht nur eine Schande für Europa sei. Schuld seien auch
«die Kriegstreiber und Waffenproduzenten. Auch die korrupten Eliten der Entwicklungsländer, denen es egal ist, wie ihre Völker dahinvegetieren oder zugrunde gehen; die ihre Gelder ins gelobte kapitalistische Land schaffen, wohin ihre armen Staatsbürger nur unter Lebensgefahr hinkommen. Warum sorgen Regierende und Unternehmer jenseits des Mittelmeeres nicht für qualifizierte Arbeitsplätze bei sich? Warum werben wir ihre Fachleute ab? Der Eroberungsfeldzug des Radikalislams hat ganze Erdregionen ins Verderben gestürzt. Muslim-Herrscher über das Öl haben ihren Anteil an der Schande. Sie legen ihr Kapital lieber in deutschen Autokonzernen an als in Flüchtlingslagern oder zum Aufbau von Industrie, Handwerk und Landwirtschaft unter armen Glaubensgenossen …»
Eine ähnliche Meinung äusserten auch zwei Brüder an unserer Missionsversammlung der letzten Woche:
Aklilu Petros Wachamo, ein an der Generalkurie in Rom wirkender Kapuziner aus Äthiopien forderte, das Flüchtlingselend müsse an der Wurzel, in den Herkunftsländern angepackt und gelöst werden.
Der Walliser Kapuziner Aloys Voide erinnerte daran, dass der durch die Erdölfunde gemachten Riesengewinne bei den politischen Eliten verbleiben, ohne dass das Volk auch nur das Geringste davon hat. Die Schutzmacht Frankreich dulde dies, weil sie an billigen Erdöl und billiger Baumwolle interessiert sei. Er forderte den «Widerstand gegen eine Politik, die Flüchtlinge produziert».
Ohne diese Forderung zu relativieren. Wenn ich hier die französische Politik anprangere, wird sich M. Hollande kaum daran stören, weil er es kaum liest …
Was wir hier bei uns tun können: Den Anteil, den Europa an der «Flüchtlingsschande» trägt, thematisieren. Wobei unter Europa auch die Schweiz zu verstehen ist …
Und noch etwas: Auch Konzerne, die in der Schweiz ansässig sind, tragen durch Menschenrechtsverletzungen zum Elend bei. Hier können wir zum Beispiel die Untersuchungen der «Erklärung von Bern» unterstützen und bekannt machen. Es gab ja auch schon Unterschriftensammlungen/Petitionen dazu. Bleiben wir dran!
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/fluechtlingselend-nicht-nur-europa-ist-schuldig/