Priestern fehlt die Wertschätzung

Wissenschaftler haben auf das Seelenleben katholischer Seelsorger geblickt. Ihre Studie belegt, dass sich viele Geistliche mit dem Zölibat schwertun. Doch dieses Reizthema überschattet eine wichtige Erkenntnis: Ihnen fehlt Anerkennung, auch innerhalb der Kirche.
Dies ist das Resultat einer Studie in Deutschland. Sie ergab, «dass vielen Priestern der gesellschaftliche Wandel zu schaffen macht. Waren sie vor Jahrzehnten noch Respektspersonen, werden sie heute eher als Exoten beäugt oder gleich unter einen Pädophilie-Generalverdacht gestellt.
Aber auch innerhalb der Kirche gibt es ein Respektproblem, jedenfalls für manche Priester. Davon betroffen sind diejenigen, die im Zuge der Zusammenlegung von Gemeinden zu grösseren Seelsorgebereichen zurückgestuft wurden. Wenn aus dem Herrn Pfarrer der Pfarrvikar oder Kooperator wird, dann tut das weh.»
Sicher, dass die «Hochwürden» vom Podest geholt wurden, war sicher nötig und hilfreich. Aber auch Priester brauchen Anerkennung, ja Streicheleinheiten. Sie dürfen sich auch vom Bischof nicht allein gelassen fühlen. Aber wie soll in einem grossen Bistum ein Bischof sich um Hunderte von Priestern kümmern? Dieses Argument habe ich in der aktuellen Diskussion um die Grösse der Bistümer noch nie gehört.
Eine Anekdote: Vor etwa 40 Jahren ersuchte im Bistum Chur ein Priester das Gespräch mit dem damaligen Bischof. Er bekam keine Antwort. Da schrieb er ihm auf einer offenen Postkarte: «Ich möchte heiraten.» Und sofort stand der Bischof vor seiner Türe ….
 

Walter Ludin

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