Die übergrosse Mehrzahl der Konzilsväter des II. Vaticanums blieb bereits zu Lebzeiten über ihre Diözese hinaus recht unbekannt. Wie dachte ein solcher ausserhalb seiner Diözese unbekannter Bischof über konziliare Themen?Claude Flusin wurde 1911 in Fougerolles (Haute-Saône) geboren und 1927 für das Erzbistum Besançon zum Priester geweiht. Nach Tätigkeiten u.a. als Dozent für Kirchenrecht und Kirchengeschichte im Priesterseminar Besançon und Rektor von Saint Louis in Rom – unterbrochen von der Kriegsteilnahme – wurde er 1948 (erst 37-jährig !) Bischof von Saint-Claude im der Schweiz benachbarten französischen Jura. Zwar trat er 1975 erst 63-jährig gesundheitsbedingt von diesem Amt zurück, blieb aber bis zu seinem Tod 1979 Mitglied der Kommission zur Revision des Kirchenrechts.Auf dem Konzil wohnte er mit einigen Bischofskollegen aus Ostfrankreich – Léon-Arthur Elchinger (Strassburg), Pierre Boillon (Verdun), Paul-Joseph Schmitt (Metz) – bei den Schwestern des Heiligen Tommaso de Villanova. Dort hatten auch weitere Bischofskollegen wie Ernest Primeau aus den USA und Theologen wie der Schweizer Hans Küng und der Belgier Willy Onclin Quartier bezogen (vgl. Qu 242f).Mit seinen ostfranzösischen Kollegen traf sich Flusin Ende Januar 1963 auf dem Odilienberg. Nachdem Bischof Elchinger beim Treffen der deutschsprachigen Konzilsväter Anfang Februar von den ostfranzösischen Diskussionen berichten konnte, informierte er am 11. Februar 1963 die Teilnehmer dieser Diskussionen von den deutschen Aktivitäten rund um das Kirchenschema.Flusins Dankesschreiben vom 12. Februar 1963 bringt kurz und bündig eine Grundhaltung zum Ausdruck: «Für mich ist eines wesentlich: dass die Kirche und insbesondere ihre Verantwortlichen sich der Welt in einer Haltung der Verfügbarkeit, der Demut, des Dienstes präsentieren, im Übrigen ohne Komplex» (Qu 319 Anm. 133).(Michael Quisinsky)
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