Wie geht es Hans Küng?

Hans Küng stellte den ersten Band seiner gesammelten Werke vor. Im folgenden Agenturbericht erfahren wir, wie es ihm geht; was er von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hält:
Den ersten Band der gesammelten Werke Hans Küngs hat der Verlag Herder am Dienstag in Tübingen vorgestellt. Die wissenschaftliche Gesamtausgabe des Schweizer Theologen ist auf 24 Bände angelegt. Küng, der am Donnerstag 87 wird, stützte sich beim Gehen auf einen Stock, wirkte ansonsten bei der Präsentation aber wohlauf und intellektuell hellwach.
Zur wirtschaftlichen Dimension des Projekts machte der Verlag keine näheren Angaben. Jeder Band dürfte etwa 70 Euro kosten. Verleger Manuel Herder zeigte sich überzeugt, dass die Reihe ein interessiertes Fachpublikum finde. Vier Bände jährlich sind geplant. Das erste Buch befasst sich mit Küngs Auseinandersetzung zum Denken des evangelischen Theologen Karl Barth. 3.000 Exemplare seien gedruckt.
Zum Kauf der Bände anregen soll die Aufnahme bislang unveröffentlichter Texte, etwa Vorträge oder Predigten. Zudem ordnet Küng seine Texte in die Entstehungszeit ein und gibt Hinweise zur Rezensions- und Rezeptionsgeschichte. So soll eine Verknüpfung von Leben und Werk entstehen. Das erste Küng-Buch bei Herder erschien 1960. Im Zuge des Streits zwischen Küng und Rom wechselte der Theologe zum Piper-Verlag nach München.
Küng dankte Herder für dessen «überraschendes Angebot». Es sei sinnvoll, alle Werke noch einmal in einem katholischen Verlag zu veröffentlichen. Dies sei «faktisch auch eine Rehabilitation». Der Theologe sprach von einer unverdienten Gnade, die seinen letzten Lebensjahren noch einen tieferen Lebenssinn gebe. Er sei für jeden Tag dankbar, an dem er am Gesamtwerk arbeiten könne, weil er nicht wisse, ob er noch «ein paar Tage, Wochen oder ein paar Jährchen» zu leben habe. Wirklich korrigieren müsse er nichts. Küng zeigte sich erstaunt, dass er «so wenig Fehler gemacht» habe.
Herder berichtete, dass er in Rom über das Küng-Buchprojekt mit dem zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. gesprochen habe. Die gesammelten Werke Joseph Ratzingers erscheinen ebenfalls in dem Freiburger Verlag. Benedikt XVI. habe sich beispielsweise erkundigt, in welcher Struktur das Gesamtwerk erscheine. Laut Herder gibt es «ein starkes Interesse der beiden füreinander». Küng und Ratzinger waren parallel Professoren in Tübingen.
Bei der Presse-Präsentation in Tübingen sagte Küng am Dienstag, es sei keine Frage, dass durch Papst Franziskus eine Reform begonnen habe. «Ich hoffe, er steht und kämpft es durch», so Küng. Die Synode im Herbst in Rom werde darüber Aufschluss geben. Es gelte, alles zu tun, um Franziskus zu ermutigen. Dessen Vorgänger Benedikt XVI. beging in seinem Pontifikat laut Küng «zwei kühne Taten». Die eine sei gewesen, ihn zu empfangen, die andere der Rücktritt vom Papstamt.
Küng übte Kritik an Papst Johannes Paul II. (1978-2005). Dieser hätte nicht «sein Sterben vor der Kamera produzieren», sondern wie sein Nachfolger Benedikt XVI. zurücktreten sollen. Die letzten Jahre der Amtszeit von Johannes Paul II. habe dessen damaliger Sekretär Stanislaw Dziwisz bestimmt.
Küng erneuerte seine Auffassung, dass er über sein Lebensende selbst bestimmen möchte. Wichtig sei, den richtigen Zeitpunkt dafür nicht zu verpassen. Angst vor dem Tod hat Küng nach eigenem Bekunden nicht Angst.
PS. Lieber Hans, ich wünsche dir noch viele Jahre ohne schlimmere gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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