Freiheit und Freimut – eine kanadische Stimme auf dem Konzil

Die Freiheit auf dem Konzil und ein ehrlicher Blick auf die Kirche waren Anliegen des kanadischen Kardinals Paul Émile Léger. 1904 geboren, wurde er, mittlerweile Mitglied des Ordens der Sulpizianer, 1950 Erzbischof von Montreal und drei Jahre darauf Kardinal. Nach seinem Rücktritt als Erzbischof (1967) wirkte er in Kamerun in der Lepra-Fürsorge.Schon vor dem Konzil fand Léger deutliche Worte beim Blick auf die Schemata:«Einige Schemata betrachten die Kirche zu sehr als eine Institution im Belagerungszustand, die das Konzil verteidigen muss; sie sehen in ihr nicht genug das Depositum des Heils, an dem sie teilhaben. Die Kirche hat für sie eher einen juristischen als einen missionarischen Aspekt. Sie haben nicht den Mut, sich offen der heutigen Welt zuzuwenden, ihren Nöten, ihren neuen und berechtigten Ansprüchen. Sie scheinen zu glauben, dass der Verlust des Glaubens, die Verschlechterung der Moral, das Versagen des Apostolats keine anderen Gründe haben als die Gleichgültigkeit der Menschen oder die Bosheit der Zeit; sie fragen nicht, ob der überholte Charakter einiger Formen kirchlichen Denkens und Handelns ebenfalls eine gewisse Rolle spielt.»Kardinal Léger wurde zu Beginn des Konzils in die theologische Kommission berufen. Die Vertreter der Kurie drängten die Mitglieder dieser Kommission, die bestehenden Schemata im Konzil möglichst getreu durchzusetzen. Diese Einschränkung der Freiheit liess sich Léger nicht bieten: In geladener Atmosphäre entgegnete er den Vertretern des Heiligen Offiziums, dass er bei diesen Voraussetzungen keinen Grund sehe, beim Konzil zu bleiben. Die Vertreter der Kurie reagierten sofort und versicherten, dass sie niemandes Freiheit einschränken wollten.(ab; Le 109 – 112)

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