Auch im «Club» vom Dienstag fragte man sich, ob es «ewige Wahrheiten» gäbe. Bereits im hier zitierten Artikel der NZZ steht dazu Folgendes:
Für Franz Kreissl, Leiter des Pastoralamtes im Bistum St. Gallen, gibt es ebenfalls in vielen Fragen nicht die eine göttliche Wahrheit. «Wer will denn diese definieren? Geschichte und Gegenwart der Kirche sind voll von theologischen Widersprüchen, da kann man nicht einfach irgendein Dokument hervorziehen und behaupten, dieses sei für alle Ewigkeit wahr.» Aus diesem Grund könne sich auch niemand anmassen, zu beurteilen, wer die wahren Gläubigen seien: «Es gibt viele Formen, das Christsein zu leben.» Die Kirche werde heute auch von den vielen Distanzierten getragen, die nach wie vor bereit seien, Kirchensteuern zu bezahlen, und nur dann an die Kirchenpforte klopften, wenn sie eine schöne Taufe oder Hochzeit wünschten.
Im Club gab es eine kurze Einspielung von Herrn Casetti, der cool behauptete, die Kirche dürfe 2000 Jahre alte Wahrheiten nicht ändern. Dazu nochmals: «Änderungen» sind keine Anpassungen an den «Zeitgeist». Vielmehr neue Ein-Sichten, gemäss der Verheissung Jesu, sein Geist werde uns immer tiefer in die Wahrheit einführen. Zur Wahrheit gehört im vorliegenden Streitfall (Segnung von Homosexuellen) die Einsicht, dass die Bibel von einer ganz andern Homosexualität spricht als wir heute. Damals war diese so etwas wie eine libertinäre Modeerscheinung. Heute wissen wir, dass sie zur Veranlagung von Menschen (etwa 10 Prozent!!!) gehört. Weiter im Text der NZZ:
Man könne das Evangelium nie verkünden, ohne sich auf die Menschen einzulassen, sagt auch Daniel Kosch, der Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), des Zusammenschlusses der Schweizer Landeskirchen. «Das hat nichts mit Beliebigkeit und Zeitgeist-Surfen zu tun – und auch nicht, wie angeblich im Fall Bürglen, mit einem Einknicken vor der Gay-Lobby.» Die Kirche habe sich in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Entwicklungen stets gewandelt, eine Weiterentwicklung sei auch im 21. Jahrhundert möglich. «Das zeigt sich alleine schon daran, dass viele Kardinäle die bestehende Sexualmoral hinterfragen.»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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