«Ressentiment ist durch Information nicht zu belehren.» So heisst es in der FAZ, im Zusammenhang mit den Pegida-Akteuren. Eine für Journalisten niederschmetternde Meinung. Zur Illustration wird folgendes angefügt:
Es ist mehr als ein halbes Jahrhundert her, dassGordon Allport den folgenden Dialog für seinen sozialpsychologischen Klassiker «Die Natur des Vorurteils» erfand:
«Mr. X: Das Problem mit den Juden ist, dass sie immer nur an ihre eigene Religionsgemeinschaft denken. – Mr. Y: Aus dem Bericht über die Spendenaktion geht aber hervor, dass sie für die allgemeinen wohltätigen Aufgaben im Verhältnis zu ihrer Anzahl relativ mehr gespendet haben als die Nicht-Juden. – Mr. X: Das zeigt, dass sie immer versuchen, sich Vorteile zu erkaufen und sich in die Angelegenheiten der Christen einzumischen. Sie haben nichts anderes als Geld im Kopf, deshalb gibt es auch so viele jüdische Bankiers. – Mr. Y: Aber nach einer neueren Untersuchung ist der Prozentsatz an Juden im Bankgeschäft ziemlich gering, viel kleiner als der Prozentsatz an Nicht-Juden. – Mr. X: Stimmt genau, anständige Geschäfte interessieren sie nicht, sie sind eher im Filmgeschäft oder führen einen Nachtclub.»
Dazu der FAZ-Journalist Harald Welzer:
«Dieser fiktive Dialog enthüllt den psychologischen Mechanismus, der die immer wieder gern geglaubte Annahme, Fehlinformationen liessen sich durch Informationen bekämpfen, in das Reich der Mythen verweist: Menschen mit Vorurteil geht es gerade darum, ihr Vorurteil bestätigen zu lassen. Vorurteile sind Orientierungsmarken und Wegweiser in einer komplexen Welt, weshalb man gern an ihnen festhält, insbesondere dann, wenn sie den Vorteil aufweisen, die Welt widerspruchsfrei zu erklären.»
Meine Frage: Ist es wirklich so schlimm? Ich kann es kaum glauben. Aber da fällt mir ein, wie der eine oder andere Kommentator auf meinen Blog reagiert. Ich kann noch so harte Fakten anfügen, heisst es oft, es seien «Halbwahrheiten» …..
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/ist-gegen-vor-urteile-kein-kraut-gewachsen/