Wie wir «Wirtschaftsflüchtlinge» produzieren

«Entweder billige Computer, Handys, Kleider etc. und dafür viele Wirtschaftsflüchtlinge. Oder für unseren Konsum mehr Geld ausgeben und dafür weniger Elend und Not anderswo.» Diese «plakative These» formuliert Urs P. Gasche in: http://www.infosperber.ch/Artikel/Wirtschaft/Illusion-der-Abschottung-Wirtschaftsfluchtlinge-Migration
Denn: Mitverantwortlich an der Not der «Wirtschaftsflüchtlinge» sind wir als Konsumierende, die möglichst billige Dinge kaufen. Und ebenso: «Mitverantwortlich an ihrer Not sind Rohstoff- und andere Konzerne, die mit autoritären Regimes paktieren, um die lokale Bevölkerung als rechtlose Billigstarbeitskräfte auszubeuten.»
Es lohnt sich sehr, den ganzen Artikel zu lesen; oder wenigstens die folgenden Ausschnitte:

Ist es ethisch vertretbar, nur unseren eigenen Bauern Einkommen und Preise zu garantieren, jedoch Bauern in armen Ländern der Willkür von spekulativen, stark schwankenden Weltmarktpreisen von Mais, Getreide, Reis, Palmöl, Soja, Kaffee, Kakao, südländischen Früchten oder Baumwolle auszuliefern? Ist diese unterschiedliche Behandlung sogar rassistisch?
Mit welchem Recht überschwemmen wir arme Länder mit hoch subventionierten landwirtschaftlichen Überschüssen, treiben mit dieser unfairen Dumpingpolitik Millionen von Bauern in den Ruin und zwingen viele Länder, einen schönen Teil ihrer Eigenversorgung aufzugeben?
Fruchtbares Land wird knapp. Es geht zu denen, die am meisten Geld haben. Ist es richtig, wenn reiche Staaten und Konzerne, auch Schweizer Investmentfonds, weite fruchtbare Gebiete in Afrika oder Südamerika auf Jahrzehnte hinaus pachten, leasen oder kaufen? Um darauf Pflanzen für Agrartreibstoffe sowie Futtermittel für sich zu produzieren?
Warum subventionieren wir bei uns die Fleischproduktion sowie den Fleischexport und fördern gleichzeitig die Viehhaltung in Entwicklungsländern, obwohl der hohe Fleischkonsum zum Bekämpfen der existenziellen Nöte in armen Ländern kontraproduktiv ist?

Zum letzten Punkt: Der mit Subventionen künstlich hoch gehaltene Fleischkonsum, mit den dazu gehörenden Subventionen der benötigten Futtermittel- und Düngerproduktion, führen in eine Sackgasse. Die vorhandenen Hektaren fruchtbaren Landes auf der Erde reichen – selbst bei optimistischsten Annahmen – nicht aus, wenn die dreieinhalb Milliarden Menschen in China, Indien und Afrika alle gleich viel tierische Nahrungsmittel essen wollen wie wir. Um allen einen mässigen Fleischkonsum zu ermöglichen, müssen wir in den Industriestaaten weniger Fleisch essen und die Produktion sowie den Konsum nicht noch subventionieren.
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/wie-wir-wirtschaftsfluechtlinge-produzieren/