Man erinnert sich: Johannes Paul II. hielt von den so genannten «Neuen Bewegungen», nach dem italienischen Ausdruck auch hierzulande «Movimenti» genannt, sehr viel. Oft entstand der Eindruck, sie seien für ihn eins und alles, während die Orden kaum zählten.
Gewiss, man muss unterscheiden: Es gibt «Movimenti», die sich praktisch problemlos ins kirchliche Leben einfügen, aber auch solche, die mit ihrem Anspruch, die einzigen wahren Christen zu sein, polarisieren. Letzteres trifft vor allem auch für die «neokatechumenale» Bewegung zu. Als ich mal mit einem ihrer Vertreter sprach, fühlte ich mich wie ein Heide …. Im Hochland von Papua Neuguinea wurden sie vom Bischof bald in die Wüste geschickt, da sie die Gläubigen vor den dort wirkenden Kapuzinern und Baldegger Schwestern warten, weil diese nicht mehr christlich seien. Schwierigkeiten gibt’s auch in Österreich. Zu ihrer dortigen 40jährigen Präsenz berichtet der ORF:
Das Neokatechumenat hätte «eine Seelsorge des Verärgerns, Vertreibens und Verletzens» praktiziert. «Erwachsene, psychisch gefestigte Personen» seien «zur Verzweiflung gebracht» worden …
Zumindest wurden vonseiten der Bischöfe hin und wieder Mahnungen an die Bewegung adressiert. 1996 etwa sprach Kardinal Schönborn von «Schwierigkeiten» mit dem Neokatechumenat. Ihm sei bewusst, dass er hier gelegentlich korrigierend eingreifen müsse, formulierte der Wiener Erzbischof damals im Interview mit der Katholischen Presseagentur. Es gebe die Gefahr, dass das Neokatechumenat in manchen Pfarren zu einseitig eine Vorrangstellung bekommt.
«In der ersten Aufbruchphase einer Bewegung» sei leicht «die Tendenz» vorhanden, zu meinen, man habe sozusagen «die Lösung für die Kirche gefunden». Wenn die Bewegung durch einzelne ihrer Mitglieder manchmal den Eindruck erwecke, «nur ihr Weg könne für einen Christen zum vollen Christentum führen», dann sei das sicher eine Übertreibung, so Schönborn.
Mitglieder des Neokatechumenats feiern von den Pfarrgemeinden getrennt Gottesdienste, meist in eigenen Räumlichkeiten. Ihre Liturgie kennt dabei vom Vatikan tolerierte Sonderformen
In vielen anderen Statements äusserte sich Schönborn aber weit weniger kritisch gegenüber dem Neokatechumenat. Im Gegenteil, Schönborn sieht in geistigen Bewegungen, speziell auch im Neokatechumenat, einen wichtigen Beitrag für die Erneuerung der katholischen Kirche.
Nach 40 Jahren gibt es aber viele der von Schönborn aufgezeigten Schwierigkeiten mit dem Neokatechumenat nach wie vor, wie man aus Pfarren in Wien und Linz hört. Auch international gibt es Bedenken gegenüber der Gemeinschaft. Doch Gegner des Neokatechumenalen «Sonderweges» hätten vielerorts bereits aufgegeben, erzählen ehemalige Gemeindemitglieder.
Pfarren seien gespalten, Kritiker der Bewegung hätten sich in Nachbarpfarren zurückgezogen. Das sind Schwierigkeiten, die nicht nur aus Österreich berichtet werden. In einigen Diözesen haben Bischöfe neokatechumenale Gemeinschaften daher verboten. In Japan zum Beispiel ist es der Gemeinschaft noch bis 2015 nicht erlaubt, in den katholischen Gemeinden tätig zu werden.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/mitglieder-der-neo-katechumenalen-bewegung-die-einzigen-wahren-glaeubigen/