Wir-sind-Kirche Deutschland hat eine vorläufige dt. Übersetzung des Vorbereitungsdokuments (Lineamenta) der nächsten Bischof-Synode ins Netz gestellt:
www.wir-sind-kirche.de/files/2241_LINEAMENTA_2015_de_vorlaeufig.pdf
Und die katholische Nachrichtenagentur Deutschlands KNA veröffentlichte eine ausführliche Übersicht über die Prozesse der Vorbereitung dieser Synode. Sehr lesenswert:
Bei der ersten Vorbereitungsphase der Bischofssynode im Oktober 2015 soll die Basis das Wort haben. Nachdem die Bischöfe und Kardinäle auf der Synode teils kontrovers über Familie, Ehe und Sexualität debattiert hatten, hat der Vatikan diese Woche erneut einen Fragebogen an die nationalen Bischofskonferenzen versandt. Zusammen mit dem Abschlussdokument bildet er das erste Vorbereitungspapier für 2015, die sogenannten Lineamenta. Sehr deutlich wird in den Erläuterungen zum Fragebogen, dass es nach dem Willen von Franziskus keinen Schritt mehr zurück hinter den gegenwärtigen Diskussionstand geben darf. Die «pastorale Wende», die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dem «Lehramt von Papst Franziskus» gründe, sei zu vertiefen. Man dürfe «nicht wieder bei Null» anfangen, heisst es darin.
Damit beendet Papst Franziskus nicht zuletzt auch die Verunsicherung, die in manchen Ortskirchen darüber entstanden war, wie der Diskussionsprozess bis zur nächsten Bischofssynode im Oktober 2015 weitergehen soll. Am Ende dieser Ordentlichen Synode sollen endgültige Ergebnisse stehen.
Der Fragenkatalog solle verhindern – so die Erläuterung -, dass Bischöfe «ihre eigenen Vorstellungen von einer Seelsorge als reiner Anwendung der Lehre» äusserten und damit nicht die Folgerungen der Ausserordentlichen Bischofssynode berücksichtigten. Die Umfrage solle den dazu «nötigen Realismus» fördern.
Diese «pastorale Wende» spiegelt sich nicht zuletzt darin wieder, dass der Fragebogen diesmal allgemeinverständlich formuliert ist und kein theologisches Fachwissen voraussetzt. Bei der ersten Umfrage gab es Kritik, dass einige Punkte für den normalen Katholiken kaum verständlich gewesen seien. Als Beispiel dafür wurden Fragen mit Bezug auf den naturrechtliche Gehalt der kirchlichen Ehelehre genannt.
Diesmal ist der Grundton konsequent seelsorgerisch gehalten. Auf wertende kirchenrechtliche Begriffe wie «irreguläre Situationen» etwa zur Beschreibung von Paaren ohne Trauschein wurde diesmal – im Gegensatz zur ersten Umfrage – verzichtet. Stattdessen werden etwa wiederverheiratete Geschiedene unter der Rubrik «Sorgen um verletzte Familien» aufgeführt.
Während der Synode war der Wunsch geäussert worden, dass die Kirche häufiger die Bibel und weniger das Naturrecht anführen sollte, wenn es um die Familie gehe. Insgesamt sind die 46 Fragen, die sich auf die jeweiligen thematischen Abschnitte des Abschlussdokuments beziehen, allerdings weniger konkret als das letzte Mal.
Inhaltlich spiegelt der Fragenkatalog den Diskussionsstand nach der Bischofssynode wieder, ohne wesentliche Neuerungen, allerdings mit geringfügigen Akzentverschiebungen. Beim Thema Homosexualität etwa werden gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht mehr ausdrücklich thematisiert. Es gehe um die Seelsorge für Familien, zu denen Personen mit homosexueller Neigung gehörten, heisst es in dem Fragebogen.
Franziskus hatte in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der argentinischen Zeitung «La Nacion» gesagt, dass es auch bei der zurückliegenden Bischofssynode nicht um homosexuelle Paare gegangen sei. Thema seien vielmehr Familien gewesen, zu denen Personen mit homosexueller Neigung zählten.
Auffallend ist auch, dass das Synodensekretariat den Ortskirchen diesmal deutlich mehr Zeit für die Einsendung der Rückmeldungen lässt. Sie müssen bis zum 15. April im Vatikan eingegangen sein. Dadurch wird eine umfangreiche Einbeziehung der Gläubigen erleichtert. Das letzte Mal hatten die Bischofskonferenzen knapp zwei Monate Zeit.
Nach der Versendung der Fragebögen für die erste Umfrage im November 2013 entstand aufgrund unklarer Vorgaben ein Debatte darüber, wie die Bischofskonferenzen mit dem Fragebogen umgehen sollten. Manche Bischofskonferenzen oder Diözesen veröffentlichten ihn als Online-Umfrage im Internet, andere verzichteten auf eine Publikation.
Das Synodensekretariat soll über die Veröffentlichungen zunächst irritiert gewesen sein. Diesmal stellte es von vorneherein klar, dass die Bischofskonferenzen frei darüber entscheiden könnten, wie sie mit dem Fragebogen umgehen. Allerdings wird ihnen eine umfangreiche Einbeziehung der Gläubigen sehr nahegelegt.
Insgesamt spiegelt der Fragebogen das wieder, was Franziskus am Sonntag in einem Interview mit der argentinischen Zeitung «La Nacion» nochmals bekräftigt hat. In dem am Sonntag veröffentlichten Langinterview hatte er erklärt, dass der «synodale Prozess weitergeht und weiter offen bleibt».
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/erfreulich-so-wird-die-familiensynode-15-vorbereitet/