Ich und die Bischofs-Synode

Randbemerkungen eines Synoden-Dinosauriers
Ab 1977 habe ich in Rom alle Bischofssynoden als Journalist aus der Nähe mitverfolgt – bis 1998, der Synode für Ozeanien; seither nicht mehr, da das Interesse bei den Medien immer kleiner wurde. Die neueste Synode in diesem Herbst rief in mir, dem «Dinosaurier» – einige Erinnerungen wach.
Zeugnisse der Laien
«Der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin, ein alter Bekannter von mir, bemerkte: Auch in dieser Synode haben wir Familien zugehört und es war ein bemerkenswerter Unterschied zu hören.» Und ich erinnere mich: 1980 wurde ebenfalls das Thema «Ehe und Familie» behandelt. In der Audienz-Aula gab es ein Event mit persönlichen Zeugnissen von Laien. Es waren alle «Heilige»: das Paar, das fast ein Dutzend Kinder adoptiert hatte; die Witwe, die in einem Slum ihre Kinderschar vorbildlich erzog; das Paar, das unter Einsatz aller seiner Kräfte die «natürlichen» Empfängnisverhütung propagierte.
Mein damaliges Fazit: «Es herrschte Einigkeit wie auf einem Parteitag kurz vor den Wahlen.» Und nun diesen Herbst der «bemerkenswerte Unterschied»: So erzählte ein Paar in aller Offenheit, wie herrlich es die die sexuellen Begegnungen erfährt. Ausserdem sei ihr Sohn homosexuell und bleibe doch ihr Sohn …
Latein
Erstmals war Latein nicht mehr eine der offiziellen Sprachen. Ich erinnere mich: Während einer früheren Synode wurde in Radio Vatikan die Frage nach der Bedeutung des Latein in der damaligen Kirche gestellt. Der «Briefkastenonkel», ein junger, etwas schräger Jesuit, liess ein Loblied auf die Sprache Caesars von Stapel. Und rief begeistert ins Mikrophon: «Stellen Sie sich vor: Latein ist einer der offiziellen Sprache der laufenden Bischofssynode!» Er verschwieg, dass von den rund 200 Teilnehmern ganze zwei Latein gesprochen hatten.
Freie Rede?
Bekanntlich betonte Papst Franziskus, alle «Synodenväter» dürften frei reden – «ohne dass ihnen gleich Kardinal Müller auf den Leib rückt». Früher gab es zwar keinen grossen Müller, aber nicht wenige kleiner Müllers. So manche Redner musste dies in den Kleingruppen, dem berühmten «circuli minores», erfahren, in denen jeweils ein einflussreicher Kurienkardinal sass. Manch ein Votant wurde beispielsweise mit der Bemerkung zurechtgewiesen, der «Heilige Vater» habe an einer solchen Meinung gar keine Freude.
Oder ich erinnere mich an die erste «Synode für Europa» (1991). Der ostdeutsche Weihbischof Norbert Werbs hatte es gewagt, die sattsam bekannten heissen Eisen zur Diskussion zu stellen. Einer von uns Journalisten machte ihn an einer Medienkonferenz darauf aufmerksam, mit seiner Offenheit werde er nie Diözesanbischof. Dies wolle er ja nicht werden, antwortete er gelassen. Er musste tags darauf die Erklärung abgeben, er habe seine Postulate «eigentlich nicht so gemeint …» Und er blieb bis heute Weihbischof!
Fortsetzung folgt

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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