Hat der Papst die Schweiz enttäuscht? Und: Er ist falsch informiert (über das Staatskirchenrecht)

Auf den ersten Blick – im Blick auf die 1. Zusammenfassung für die Medien!!! – ist die Ansprache von Papst Franziskus an die Schweizer Bischöfe recht enttäuschend: deutliche Absage an die Interzelebration; Betonung der Unterschiede allgemeines – besonderes Priestertum; Kritik am Schweizer «dualen System». Wenn man aber den ganzen Text liest, ist das Ganze nicht halb so schlimm:
http://www.bischoefe.ch
Alles in allem: Richtig enttäuscht kann man nur sein, wenn man vergass, dass der Papst in seiner Lehre im Grunde konservativ ist. Dass schmälert seine Verdienste nicht: anderer Umgangston, Toleranz und Dialog, einfacher Stil. Vor allem: Dogmatische endgültige Wahrheiten stehen nicht im Vordergrund wie bei seinen Vorgängern.  Dies relativiert die Aussagen an die Schweizer Bischöfe ….
Noch was: Seine Aussagen zum Schweizer System (Pfarreien/Diözesen und Kirchgemeinden/Landeskirchen) zeigen eindeutig, dass er völlig falsch informiert ist (von Chur oder Lugano???). Wenn er von «Kantonen» redet, meint er die Landeskirchen. Diese sind keineswegs staatliche Gebilde, sondern «staatskirchenrechtliche». Nicht der Staat entscheidet in ihnen, sondern Christenmenschen, die von der kirchlichen Basis gewählt wurden. Das staatliche Gebilde namens Kanton beherrscht die Kirche nicht. Im Gegenteil: Die Kantone haben die Kirche anerkannt als Voraussetzung, ihnen Privilegien zu geben: Kirchensteuern, Seelsorge in Krankenhäusern, Gefängnissen usw.
Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass ein Papst von der Schweiz aus falsch informiert wurde. So hat Johannes Paul II. gestaunt, als er die hiesige Kirche persönlich kennenlernte auf seiner ersten Reise. In den Briefen, die er von Gläubigen aus der Schweiz erhalten habe, sehe es ganz anders aus ….

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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