Familien helfen, statt sie bloss zu ermahnen. Und: Was tun eigentlich die Seelsorge-Räte?

Familien brauchen Hilfen statt Ermahnungen
Es genügt nicht, Familien Werte zu propagieren. Sie brauchen Unterstützung. Dies wurde an der diesjährigen, der 30. Interdiözesanen Koordination/IKO der kantonalen und diözesanen Seelsorgeräte betont (7./8. November in der Kartause Ittingen).
So beginnt mein Medienbericht über die IKO. Nachdem ich nicht persönlich teilnehmen konnte, bekam ich von den Organisatoren einen ausführlichen Bericht zum Zusammenfassen. Leider etwas spät. Doch er ist immer noch sehr aktuell ….
 
Die Kirche hat den Auftrag, den Familien konkrete Hilfen anzubieten, damit die von ihr hochgehaltenen Werte im Alltag umgesetzt werden können. Darauf machten Fachleute die rund 30 Teilnehmenden der Tagung aufmerksam. Und weiter: Die Themen Partnerschaft, Ehe und Familie sind nicht isolierte Spezialthemen. Sie müssen als «Querschnittthema der Seelsorge» behandelt werden.
Am Treffen von Ittingen kam es zu einem regen Austausch zwischen Deutschschweiz und Romandie. Darum wurde ins Auge gefasst, die Sprachregionen in den behandelten Bereichen intensiver zu vernetzen.
Mühe mit der Lehre
Arnd Bünker, Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts in St. Gallen (SPI), welches den jährlichen Erfahrungsaustausch jeweils organisiert, erinnerte in seinem Impulsreferat an die Resultate der online-Umfrage «Partnerschafts-, Ehe- und Familienpastoral in der katholischen Kirche» im Vorfeld der Bischofssynode von Rom: «Männer und Frauen, Alte und Junge wünschen sich eine religiöse Gestaltung dieses wichtigen Lebensbereichs sowie eine verständnisvolle Begleitung durch die Kirche.»
Die Umfrage, an der 25 000 Antworten eingegangen waren, ergab ebenso, dass eine grundsätzliche Offenheit für Glaube und Kirche nicht automatisch einhergehen mit einer kritiklosen Zustimmung zur kirchlichen Lehre. Diese sei zwar bekannt. Aber vielfach würden ihre Inhalte von den Gläubigen nur teilweise oder überhaupt nicht in die Praxis umgesetzt.
Aktive Seelsorgeräte
Neben der Auseinandersetzung mit einem seelsorglichen oder theologischen Thema steht auf der Traktandenliste der IKO immer ein intensiver Austausch der anwesenden Delegierten von kantonalen und diözesanen Seelsorgeräten.
Einige Räte leider unter Mangel an Nachwuchs oder brauchen ihre Kräfte weitgehend für interne Umstrukturieren. Insgesamt aber sind die Seelsorgeräte erfreulich aktiv und innovativ.
«Die wohl grundlegendste Frage, mit der sich die Seelsorgeräte auseinandergesetzt haben und weiter auseinandersetzen werden, ist: Wie kann Kirche in Zeiten des Wandels zukunftsfähig gestaltet werden?» So fasste Eva Baumann-Neuhaus die vorliegenden Rechenschaftsberichte der Räte zusammen.
Freiwillige
Manche Räte sind bemüht, die für die Kirche unverzichtbare Arbeit der Freiwilligen zu fördern, sichtbar zu machen und anzuerkennen. Es wurden auch Wettbewerbe und Prämierungen zukunftsfähiger Projekte durchgeführt.
Die neuen Pastoralräume und die damit verbundenen Veränderungen in den Seelsorgeberufen waren weitere Themen, welche die Räte in den vergangenen Monaten behandelt haben. Ebenso haben sie sich mit den spirituellen Grundlagen des kirchlichen Lebens sowie mit der internen und externen Kommunikation befasst.
Bootsflüchtlinge
Es überrascht nicht, dass etliche Räte im Vorfeld der Bischofssynode sich mit dem Thema Ehe und Familie auseinandersetzten. Daneben kümmerten sie sich beispielsweise mit den Bootsflüchtlingen und weitern Menschen in Not.
Dazu Eva Baumann-Neuhaus in ihrem Überblick: «Wer von Gemeinschaft spricht muss auch von Diakonie und Solidarität sprechen. Denn gerade die Benachteiligten und Armen in unserer Gesellschaft und Welt brauchen die Zuwendung der Kirche.»
Bis zur nächsten Synode
Ein Höhepunkt der IKO-Jubiläumstagung war die von Bischof Markus Büchel zelebrierte Eucharistiefeier. Der Delegierte der Schweizer Bischofskonferenz an der Familiensynode hat im Verlaufe des Treffens eingehend darüber orientiert. Er zeigte sich optimistisch über den Verlauf der Diskussion und unterstrich, die Zeit bis zum zweiten Teil der Synode sei intensiv zu nutzen.
 
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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