Gesucht: «fromme Revolte von unten»

«Wenn wir einen ‹andern› Papst hätten, wäre die Kirche gerettet.» Diese Hoffnung hatten in den vergangenen Jahrzehnten unzählige katholische Menschen – auch viele von uns. Und nun ist es so weit. Trotz einem menschenfreundlichen, barmherzige Papst kommen die Reformen nicht voran. Es braucht mehr: nämlich eine «fromme Revolte von unten», meint der Theologe Peter Bürger in einem längern Beitrag zu Bischofsynode:
Wo bleibt der Segen des Kirchenvolkes, um den Franziskus nach seiner Erwählung gebeten hat? Wo bleibt der kreative Ungehorsam an der Basis, ohne den das dramatische Verschwinden der nahen Ortsgemeinden wohl kaum aufgehalten werden kann? Wo bleibt der weltweite Zusammenschluss bzw. Aufruf von hunderten Diözesanbischöfen, die auch verheiratete Priester in der Seelsorge arbeiten lassen wollen? Wo bleibt das prophetische Engagement der liberalen Kardinäle Europas wider den globalen Kriegsapparat und den mörderischen Kapitalismus, ein Engagement, das den Vorwurf widerlegen würde, es ginge ihnen nur um bürgerliche Reformen für die Kirche der Satten? Wo bleiben auch die Theologen, die in der gegenwärtigen – möglicherweise sehr begrenzten – Zeit des freien Atmens endlich alle Maulkörbe ablegen und sich auf den Weg machen zu einer Theologie für das dritte Jahrtausend? Viele haben sich in der Heiterkeit eines neuen Pontifikats gesonnt und setzten gar auf ein neues Konzil von oben. Ohne eine fromme Revolte von unten wird sich jedoch nichts bewegen im römischen Kirchenschiff.
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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