Aufstehen statt blind gehorchen

«Christlicher Gehorsam ist im Bewusstsein der eigenen Verantwortung zu leisten». So sagt die bekannte, progressive Regensburger Kirchenrechts-Professorin Sabine Demel. Die Aussage ist –  ein Zitat aus dem Kirchenrecht.
Nicht auszudenken, was passiert, wenn tatsächlich immer mehr ChristInnen sich von der Idee anstecken liessen, sich für ein Leben im Geist der christlichen Freiheit einzusetzen und sich deshalb in der Kraft des empfangenen Taufgeistes für dieses Leben in christlicher Freiheit nicht nur für sich selbst, sonder für alle, für alle Männer und Frauen umtreiben lassen! Nicht auszudenken, was passiert, wenn immer mehr Frauen und Männer auf ihre Geistbegabung vertrauen und in geisterfüllter Weise mit den sie lähmenden Vorgaben in der Kirche umgehen! – Eigentlich müssten es ja alle ChristInnen so tun. Denn schliesslich wirkt der Geist Gottes, der dazu befähigt und damit auch verpflichtet, nicht nur in einigen Gliedern der Kirche, sondern kraft der Taufe in allen Gliedern der Gemeinschaft. Heisst es vielleicht deshalb sogar im Gesetzbuch der katholischen Kirche, dass der christliche Gehorsam «im Bewusstsein der eigenen Verantwortung» zu leisten ist? Ja, wirklich – so steht es im Gesetzbuch der katholischen Kirche: Christlicher Gehorsam ist nicht einfach zu leisten, sondern christlicher Gehorsam ist im Bewusstsein der eigenen Verantwortung zu leisten! Damit ist auch nach Ausweis des Gesetzbuches der katholischen Kirche der christliche Gehorsam kein blinder und erzwungener, sondern ein mündiger und vernünftiger Gehorsam. Zu so einem verantworteten Gehorsam bedarf es ein erhebliches Mass an Urteilsvermögen wie auch an christlicher Courage zum Ich-Sagen, und es braucht den Mut, in der Kirche nicht nur mitzulaufen, sondern auch selbständig aufzubrechen.»
Mit Blick auf die Geschichte, in der Jesus dem Gelähmten befiehlt, aufzustehen und sein Bett mitzunehmen, schreibt die Professorin:
«Ich bin davon überzeugt und lasse mich von dieser Idee immer wieder neu umtreiben: Wenn nicht nur einzelne, sondern möglichst viele , ja alle – Gläubigen darauf vertrauen und es wagen, vom Bett der sie lähmenden Abhängigkeiten aufzustehen und sich kontinuierlich und in einer auf Dialog orientierten Weise für die legitimen Freiheitsräume von Männern und Frauen in der Kirche einzutreten, dann wird es auch früher oder später für jede (kirchliche) Autorität unmöglich, ständig wie gelähmt in ihrem alten Denkmuster zu bleiben und wegzuhören, sich für nicht zuständig zu erklären oder sich selbst wie gelähmt auf das Bett der weltkirchlichen Einheit festlegen zu lassen. Wollen wir wirklich? Wollen Sie wirklich? Wer wirklich will, sollte aufstehen, ihr und sein Bett nehmen und neu in Bewegung gehen! – Also, worauf warten Sie noch?
 
 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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