Bis vor wenigen Jahrzehnten hat die katholische Kirche in Italien sich vehement gewehrt gegen die Möglichkeit, einer Ehescheidung durch den Staat. Auch heute ist eine Scheidung in dem katholischen Inselstaat in Südostasien nicht möglich. Damit sind die Philippinen mit dem Vatikanstaat eine weltweite Ausnahme. Bis vor Kurzem gab es auch in Europa ein Scheidungsverbot: Malta hob als letztes EU-Land ein entsprechendes Gesetz erst vor drei Jahren auf.
Was bedeutet das Scheidungsverbot für die Betroffenen. Dazu die Salzburger Nachrichten.
Auf den Philippinen fühlen sich Menschen wie Frau Sanchez in gewalttätigen Beziehungen gefangen. Zum ersten Mal wollte sie ihren Mann 1994 verlassen, erzählt die fünffache Mutter, die ihren wirklichen Namen nicht nennen will. Doch sie war finanziell abhängig. «Er hat mich sogar vor den Augen seiner Geliebten verprügelt.» Ihr Mann werde sich nie ändern, das wurde ihr klar. 2008 hatte Sanchez einen Annullierungsantrag eingebracht. Noch immer ist kein Ende in Sicht.
Für trennungswillige Paare gibt es in den Philippinen nur wenige Optionen, alle langwierig und teuer: Bei der «Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft» ist eine neue Ehe nicht möglich. Bei Annullierung können die Ex-Partner zwar wieder heiraten, allerdings kann es Probleme beim rechtlichen Status der Kinder geben.
Alle Versuche, Scheidungsgesetze einzuführen, scheiterten am Widerstand der Kirche und konservativer Gruppen. Selbst Unterstützer geben zu, dass es dauern werde, bis Scheidungen gesellschaftlich akzeptiert sind. In einer Umfrage sprachen sich 50 Prozent der Bevölkerung dafür aus, dass die Scheidung für getrennte Paare erlaubt sein solle.
Die Abgeordnete Luzviminda Ilagan hat einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, damit Scheidung kein «unmöglicher Traum» bleibt. Eine Scheidung wäre weder einfach noch verschuldensunabhängig, aber zumindest möglich. In diesem Fall drohe eine gesellschaftliche Katastrophe, warnt die katholische Kirche. ———
Da kann man nur sagen: Welche Ideologen!!
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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