Russland: Pussy Riot kritisierten die zu enge Anlehnung der Orthodoxie an Putin

Die jungen Frauen, die vor zwei Jahren in der Moskauer Hauptkirche ein Anti-Putin-Lied gesungen haben, sind für christliche Fundamentalisten ein willkommenes Hassobjekt. Wer näher zusieht, merkt, dass ihr Protest von «Pussy Riot» nicht der orthodoxen Kirche galt, sondern der allzu engen Verknüpfung dieser Kirche mit dem diktatorischen Regime von Putin.
Dieser hat vor Jahren stolz erklärt, Russland habe «zwei Schutzschilde: den Atomschild und die russische Orthodoxie».
In der neuesten Ausgabe von Publik-Forum wird die russische Literaturwissenschafterin Elena Volkova zitiert. Diese ist fest davon überzeugt, dass die Frauen für ihren Protest den denkbar besten Ort wählten: »die skandalös mafiös erbaute Hauptkirche, die ein Einkaufszentrum beherbergt und Kongressräume in der Ästhetik der ehemaligen kommunistischen Parteizentrale«. Kein anderer Ort zeige die »Verschmelzung von Macht und Religion im heutigen Russland so gut wie diese Kirche«. Elena Volkova sagt: »Hier begrüsst der Patriarch erst Putin, dann Christus.« Wie erwähnt, schimpfen Fundamentalisten auf diese Frauen. Elena Vukova aber betont: »Man warf ihnen Blasphemie vor, dabei kritisieren sie den blasphemischen Missbrauch der Religion durch die Orthodoxie und die Politik. Sie stehen damit in guter christlicher Tradition.«
Solche Stimmen sind in Russland selten. Nochmals Vukova: «Es fehlt eine kritische, religiös interessierte Öffentlichkeit.»
 
 

Walter Ludin

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