Vor drei Jahren entstand in Österreich die Pfarrer-Initiative. In einem Interview zieht Helmut Schüller eine Bilanz. Zuerst äussert er sich über die Chancen der Kirchenformer.
Generell ist in den vergangenen Jahren der Eindruck entstanden, dass die Reformbewegungen etwas müde werden. Schläft das katholische Kirchenreformlager ein?
Ich glaube schon, dass immer wieder grosse Enttäuschung und Erschöpfung eintritt. Es gibt ja viele Leute, die sich da schon seit Jahrzehnten engagieren und die sehr viel getan haben. Da ist es schwer, dranzubleiben, weil Resignation und Aussichtslosigkeit als eine Art dunkle Wolke über uns schweben. Ich sage aber immer: Aussichtslosigkeit ist kein Grund, etwas nicht zu tun. Wir hätten kein Zweites Vatikanisches Konzil gehabt, wenn sich nicht Menschen trotz Aussichtslosigkeit engagiert hätten.
Jetzt seit dem Papst-Wechsel herrscht eine gemischte Stimmung. Die einen sagen: «Jetzt geht’s endlich los, jetzt tut sich was.» Die anderen sind nach wie vor skeptisch. Es steht auch die Frage im Raum, ob das vatikanische System nicht schon in sich so stark ist, dass sich selbst ein Papst nicht mehr durchsetzen kann.
Haben Sie da einen konkreten Zeithorizont im Kopf? Wie lange kann diese Aufbruchsstimmung halten, wenn sich nichts Konkretes tut?
Ich denke es geht da höchstens um drei, vier Jahre. Dann wird es ernst. Auf Dauer wird die Leute die Kraft verlassen. Wenn dieses Pontifikat ohne klare Anzeichen für Änderungen zu Ende geht, dann wird die Erwartung der Menschen in grosse Resignation umschlagen. Ich glaube, das ist jetzt ein ganz entscheidendes Zeitfenster.
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Diese Prognose dürfte wohl realistisch sein….
(Fortsetzung folgt morgen)
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/wie-lange-halten-die-kirchenreformer-noch-durch/