Das Christentum ist von Anfang an sehr pluralistisch

Vor allem Rechtskatholiken kämpfen um die «Reinheit des Glaubens». Sie fürchten sich um die eigene christliche Identität. Dazu die feministische Theologin Doris Strahm in den «Neuen Wegen»:

«Christliche Identität ist von Anfang an pluralistisch gewesen und im Austausch und in der Auseinandersetzung mit dem jeweiligen kulturellen Kontext gebildet worden, wie ein Blick ins Neue Testament zeigt. Am Anfang des Christentums stand keine einheitliche christliche Identität, sondern eine Vielfalt von Christuszeugnissen.»

Ernst Käsemann, der wohl bedeutendste dt. prot. Bibelwissenschafter der Nachkriegszeit, sagte mir in einem Interview: Das Neue Testament ist nicht die Grundlage der kirchlichen Einheit; sondern eher der Grund für die konfessionelle Vielfalt. Es gibt ja nicht ein Evangeliums, sondern deren vier …
PS. Ich weiss, dass ich hier unserem lieben Stefan Fleischer einen Steilpass zuspiele (um einen derzeit vielfach verwendeten Ausdruck zu gebrauchen). Doch vielleicht hat er die Demut, nicht gleich die verlorene Einheitlichkeit in der Kirche zu bedauern. Der versierte Bankfachmann hat vielleicht die Grösse, zuzugestehen, dass auch andere etwas von der Bibel verstehen: die feministische Theologin, die sich seit Jahrzehnten intensiv damit befasst; und der erwähnte hervorragende Exeget …

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/das-christentum-ist-von-anfang-an-sehr-pluralistisch/