«Fürchtet euch nicht.» Diese Aufforderung Jesu steht laut und deutlich am Anfang des heutigen Evangeliums. Und sie wird zwei Mal wiederholt.
Sie sind wohl mit mir einig, wenn ich behaupte: Die Furcht, oder wir können auch sagen die Angst, hat mit dem Leben von uns alle viel zu tun; ja sehr viel.
Denn die Angst ist leider unser treuer, ständiger Begleiter. Ich habe mir überlegt, wie Ängste unser ganzes Leben begleiten:
– Kleine Kinder fragen sich ängstlich, was wohl im Kindergarten/in der Schule auf sie wartet.
– Schüler warten angstvoll die Prüfungen und dann ihre Ergebnisse ab.
– Jugendliche ängstigen sich, ob sie eine Lehrstelle erhalten.
– Erwerbstätige haben Angst um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes.
– Ältere Menschen fragen sich ängstlich, wie sie nach der Pensionierung über die Runden kommen.
– Betagte haben Angst vor schwerer Krankheit und dem Tod.
Darum:Wir alle müssen lernen, möglichst gut mit Ängsten umzugehen. Doch wie ist dies möglich: uns nicht von der Angst besiegen zu lassen?
Erlauben Sie mir zuerst eine persönliche Bemerkung:
Vor etlichen Jahren behandelte mich ein Mitmensch nicht gerade mitmenschlich. Er stiess Drohungen aus. Vor allem drohte mir, Verleumdungen über mich auszustreuen. Dies löste in mir begreiflicherweise Ängste aus.
Doch da geschah es: Plötzlich fiel mir die Zeile eines Liedes des bayerischen Sängers Konstantin Wecker ein: «Freiheit heisst keine Angst haben vor nichts und niemandem.» Ich habe spontan den Satz laut wiederholt. Und siehe da: Die Angst wich von mir. Sie hatte keine Macht mehr über mich.
Ich weiss: Das funktioniert nicht immer so gut. Oft braucht es tiefere Einsichten, um die Angst zu überwinden.
Dann kann uns die Bibel helfen; so die heutige Aufforderung Jesu: «Fürchtet euch nicht." Übrigens: Dieser Satz steht 365 mal in der Bibel. Also einmal für jeden Tag. Jesus liefert dazu die Begründung, die auf den ersten Blick seltsam erscheint: «Eure Haare auf dem Kopf sind gezählt.» Gott ist es, der sie zählt.
Das heisst doch: Gott interessiert sich für uns Menschen.
Er kümmert sich um uns.
Sicher, dies ist keine Garantie dafür, dass uns nichts Negatives geschieht. Aber es gibt uns die Zuversicht, dass alles, was uns geschieht, uns nicht überwältigt und zerstört.
In der Bibel gibt es unzählige Worte, die uns trösten, die stärker sind als unsere Angst. Nur drei Beispiele:
Im Buch Jesaja steht die Verheissung Gottes: «Fürchte dich nicht. Denn ich bin bei dir. Hab keine Angst. Denn ich bin dein Gott. Ich helfe dir und mache dich stark. Ich halte dich mit meiner rettenden Hand.» (Jes. 41,11f)
Ähnliche Worte finden wir in sehr vielen Psalmen, zB im Psalm 23: «Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht. Ich fürchte kein Unheil. Denn du bist bei mir.»
Noch ein drittes und letztes biblisches Beispiel mit einer persönlichen Bemerkung: Als ich vor vier Jahren schwer krank war, hat mich der Psalm 91 durch die Wochen und Monate begleitet, in dem es heisst: «Meine Zuversicht und meine Burg bist du, mein Gott, auf den ich hoffe.» Und weiter: «Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken müssest vor dem Grauen der Nacht …Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.»
Kurz und gut: Das stärkste Mittel gegen die Angst ist das Vertrauen. Eine gute Bekannte, der ich von meinem Predigtthema erzählte, bemerkt dazu/und dies sei hier der Schluss und die Zusammenfassung meiner bescheidenen Überlegungen:
«Das Vertrauen in Gott hilft mir gegen die Unsicherheit, die Angst. Es beseitigt nicht die Schwierigkeiten. Aber es hilft uns, nicht davon zu rennen. Das Vertrauen macht uns stärker. Und es gibt uns das Rüstzeug, besser mit angstmachenden Situationen umzugehen.»
Dieses Vertrauen wünsche ich Ihnen allen.
Luzern, Elisabethenheim: Sa 16.30; Stans So: St. Klara: 9.30, Pflegeheim Nägeligasse 10.40.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/wie-gehen-wir-mit-unsern-aengsten-um/