Ein Wegbereiter des ökumenischen Dialogs zur ersten Konzilsperiode

Am 30.12.1962 blickte Edmund Schlink (1903-1984), im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Beobachter beim Zweiten Vatikanischen Konzil, in einem Rundfunkvortrag in «Echo der Zeit» und später im Norddeutschen Rundfunk auf die erste Sitzungsperiode des Konzils zurück. Schlink war Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg – einer der Wegbereiter des ökumenischen Dialogs. Auch wenn zur Zeit dieser Rückblicke sich die Entscheidungen des Konzils noch nicht klar abzeichneten, macht Schlink «sechs methodische Gesichtspunkte» namhaft, die für die ökumenische Aufgabe des Konzils leitend sein würden.1. «tritt die römische Kirche in diesem Konzil nicht, wie bei den Einladungen zum ersten Vatikanischen Konzil, mit Forderungen an die anderen Kirchen heran, sondern sie berät die Forderungen, die sie an sich selbst zur eigenen Erneuerung und zum rechten Dienst an der Welt stellen muss. Dieser Einstellung entspricht der Ruf zur Busse, mit dem der Papst das Konzil eingeleitet hat».2. Zwar findet das «Konzil als internes Konzil der römischen Kirche statt […], ohne dass Vertreter anderer Kirchen in ihm Sitz und Stimme haben»; dennoch schaut sich das Konzil durch die Einladung von Beobachtern aus anderen Kirchen stets auch von aussen an und bemüht sich, die anderen Kirchen recht zu verstehen und von ihnen recht verstanden zu werden.3. Das Konzil will «eine neue Gestalt der Aussage», eine pastorale Redeweise, «die den heutigen Menschen unmittelbar anspricht». Es reflektiert die Unterschiede in den Denk- und Aussageformen, so dass deutlich wird, dass unterschiedliche Lehraussagen nicht notwendig Unterschiede im Glauben anzeigen.4. Schlink erwähnt die «deutliche Tendenz […], die Uniformität der römischen Kirche zu öffnen in Richtung auf die Mannigfaltigkeit des kirchlichen Lebens hin». Deutliches Zeichen dafür ist die Vielfalt der liturgischen Ordnungen der Messe, mit der jede Konzilssitzung beginnt.5. Schlink sieht «eine deutliche Bewegung von dem kurialen Zentralismus in Richtung auf eine gemeinsame Verantwortung der Bischöfe für die Gesamtkirche».6. Wichtig ist für Schlink die Erklärung, dass das Konzil kein neues Dogma schaffen will, das als solches «einen allgemein verpflichtenden Anspruch erhebt und jeden, der sich diesem Anspruch nicht unterwirft, aus der Gemeinschaft der Kirche ausschliesst».So erwartet Schlink gespannt und verhalten hoffnungsvoll die weitere Arbeit des Konzils.(Theo Dieter; Zitate aus: E. Schlink: Themen des zweiten vatikanischen Konzils in evangelischer Sicht. In: Kerygma und Dogma 9 [1963] 167-193)

Konzilsblogteam

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/ein-wegbereiter-des-oekumenischen-dialogs-zur-ersten-konzilsperiode/