Ist Thomas von Aquin mit Karl Marx kompatibel?

Ferdinand Troxler: Christentum und Sozialismus. Ein gesellschaftspolitischer Brückenschlag. BoD – Books on Demand. Norderstedt 2013. ISBN: 978-3-7322-0118-1. 138 S., ca. Fr. 21.90.
Bekanntlich stützt sich die katholische Sozialethik weitgehend auf die Eigentumslehre des Thomas von Aquin. Diese scheint in deutlichem Widerspruch zu stehen mit Karl Marx’s Postulat der «Sozialisierung». Doch: «Die beiden Lehren sind prinzipiell durchaus miteinander vereinbar.» So könnte man die These des Luzerners Ferdinand Troxler zusammenfassen. Sie ist nicht neu. Denn der Autor hat sie bereits 1968 an der Uni Bern als Doktorarbeit eingereicht.
Warum wurde sie in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen? Der Grund liegt wohl im Kalten Krieg. Bis zum Fall der Berliner Mauer wurde jedem, welcher den Marxismus nicht in Grund und Boden ablehnte, ein «Billet Moskau-einfach» angedroht. Dann aber kam der Zusammenbruch des so genannt real existierenden Sozialismus. Und der Sozialismus als solcher wurde totgesagt.
In seinem vorliegenden Sammelband unterstreicht Troxler, dass das sowjetrussische System des Staatskapitalismus nicht als sozialistisch bezeichnet werden kann. Er betont ebenfalls, dass die Welt einen menschenfreundlichen Sozialismus braucht. In einem Aufsatz von 1992 meint er, wenn die «Unmenschlichkeit neoliberaler Konzept eklatant erfahrbar» sei, wäre Platz für diese Einsicht.
Inzwischen wurde das wahre, menschenverachtende Gesichts des Neoliberalismus allzu deutlich sichtbar, nicht zuletzt in den Bankenkrisen und den Fusionen mit ihren Entlassungswellen. Der Sozialismus aber wurde noch längst nicht rehabilitiert. Umso dringlicher ist der «gesellschaftspolitische Brückenschlag zwischen Christentum und Sozialismus», den Ferdinand Troxler in seinem Buch in immer wieder neuen Anläufen versucht.
Walter Ludin
Zitat
Marxens Kritik des Christentums
Mit seiner Kritik trifft Marx nicht den Kern des Christentums, sondern Fehlentwicklungen, wie er sie damals erfahren hat und wie sie auch heute noch mehr oder weniger ausgeprägt anzutreffen sind. Die Botschaft Jesu jedenfalls ist nicht ‹Opium des Volkes›, sondern Dynamit in Richtung einer geschwisterlichen Gesellschaft. Dies bestätigt auch die heutige Befreiungstheologie.
Ferdinand Troxler: Christentum und Sozialismus. Ein gesellschaftspolitischer Brückenschlag. BoD – Books on Demand. Norderstedt 2013. ISBN: 978-3-7322-0118-1. 138 S., ca. Fr. 21.90.
 

Walter Ludin

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