Wie sie selber, Martha Heizer, bin auch ich geschockt über ihre Exkommunikation. Gestern wurde mitgeteilt, dass die neue Vorsitzende von «Wir sind Kirche» Österreich von ihrem Tiroler Ortsbischof exkommuniziert wurde, zusammen mit ihrem Mann.
Ihr offensichtlich schweres «Verbrechen»: Sie feiert – wie sie mir schon vor 5 Jahren erzählt hatte – regelmässig mit einer Gruppe Eucharistie, ohne Priester.
Betr. «Verbrechen» meint Martha: «Es entsetzt uns ungemein, dass wir uns in der gleichen Kategorie wie priesterliche Missbrauchstäter wieder finden. Besonders erbittert es uns, dass wir von keinem einzigen Missbrauchstäter wissen, der exkommuniziert worden wäre. Es wird also mit unterschiedlichem Mass gemessen.»
Ich habe übrigens vor etwa zwei Jahren das Protokoll ihrer Vernehmung durch einen bischöflichen Mitarbeiter gelesen. Es tönt sehr inquisitorisch …
Unser gemeinsamer Freund Christian Weisner, Chef von «Wir sind Kirche» Deutschland, sagte gestern gegenüber der «Welt»: «Das vermeintliche schwere Vergehen, das Martha Heizer vorgeworfen wird, begehen täglich auf der Welt Hunderte von katholischen Gruppen. Es ist eine Folge des Priestermangels, dass Gläubige manchmal auch ohne geweihten Priester gemeinsam Gottesdienst feiern. Statt das zu bestrafen, sollte man diese Form des Laienengagements begrüssen und sich darüber freuen.»
Ich erinnere mich:
Ø Wie ich in unserer Tagsatzungs-Broschüre über «Mahlfeiern ohne Priester» (es handelt sich in diesem Fall nicht um Messfeiern!!) geschrieben habe, bot sich einer meiner Mitbrüder bei seinem Besuch in einer Schwesterngemeinschaft an, Eucharistie zu feiern. Es sei nicht nötig: «Machen wir selber.»
Ø Eine Bekannte von mir hat vor Jahren Bischof Kurt Koch darauf aufmerksam gemacht, dass sie mit einer Gruppe hie und da ohne Priester Messe feiert. Sie bat ihn nicht um Erlaubnis. Aber es kam auch kein ausdrückliches Verbot.
(Wie die KIPA berichtet, war Papst Franziskus am Exkommunikations-Entscheid nicht beteiligt.)
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant