Wie gross dürfen die Pfarreien sein?

Die folgenden Überlegungen sind zwar schon mehr als 30 Jahre alt. Und trotzdem, angesichts der Zusammenlegung von Pfarreien höchst aktuell. Ich habe sie beim Sichten meiner Bücher gefunden im Buch «Gemeinden ohne Priester» des Wiener Pastoraltheologen Ferdinand Klostermann:
Zuerst verweist der Autor auf die Tatsache, dass während der ersten christlichen Jahrhunderte ein «normales Verhältnis von einem ‹Priester/Vorsteher› zu 50 bis 300 Gläubigen» bestand.
(Man darf sich auch als Nicht-Konservativer auf das Konzil von Trient berufen.) Dieses hat den Grundsatz aufgestellt, jeder Pfarrer müsse die Seinen kennen. Klostermann zitiert dazu seinen Kollegen Zauner, der daraus folgert, die Pfarreien dürften eine Höchstgrenze von 1000 Gläubigen haben.

Klostermann berichtet dann von seinen Forschungen in Wien: «Je grösser die Pfarrei, desto geringer die Teilnahme am kirchlichen und gemeindlichen Leben.»

Es sei mir hier noch eine Bemerkung zu unserem neuen Heiligen erlaubt. Klostermann zitiert den indonesischen Kardinal Darmojuwono, der sich beklagt, 60 Prozent aller Sonntagsgottesdienste müssten in seinem Land ohne Priester gehalten werden. Die indonesischen Bischöfe berichten bei einem Ad-Limina-Besuch dem Papst (dem Heiligen Johannes Paul II.) davon. Doch, so der Kardinal: «Der Papst hat mit uns die Sache nicht diskutiert (wo bleibt da die Kollegialität?) … Er ist sehr offen, freundlich und ein guter Zuhörer. Aber er hat einen sehr engen Hintergrund.»

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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