«Die Welt des früh-archaischen Menschen war im allgemeinen klein. Sie reichte oft kaum über das Gemeindegebiet hinaus. Obwohl er natürlich wusste, dass auch jenseits desselben Menschen wohnen.» So steht es in einem Buch, das vor fast einem Vierteljahrhundert herausgekommen ist (W. Obrist: Die Mutation des Bewusstseins).
Ein nicht isolationistischer eidgenössischer Zeitgenosse ist versucht, «Gemeindegebiet» durch «Staatsgebiet» zu ersetzen. Sicher, auch dort leben Menschen. Sie sind naturgemäss Fremde und stehen damit automatisch im Geruch, Feinde zu sein, die es auf unsern Wohlstand abgesehen haben oder sogar wie Vögte über uns bestimmen wollen.
Was kann man dagegen unternehmen? In unserer archaischen Vorzeit wussten die Germanen, den eigenen «friedlichen Bezirk», den «heore/geheuern», gegen die Bedrohungen aus dem unheimlichen, «unheore/ungeheuren» Bereich abzuwehren; nämlich durch laute Beschwörungen, die im Betruf der Älpler im christlichen Gewand weiterleben.
Damit sind wir mitten in der aktuellsten Gegenwart. Auch für Herrn Blocher ist die Welt zweigeteilt: in das geheure eidgenössische Vaterland und das ungeheure Ausland, das in der Gestalt der EU eine besondere Bedrohung darstellt. Auch er bemächtigt sich einer archaischen Waffe. Er ruft laut, um die Gespenster zu bannen, die in den friedlichen Bezirk einbrechen wollen. Und er möchte so laut und so oft rufen können, dass er auf das Amt eines ehrenwerten (italienisch: onorevole) Parlamentariers zu verzichtet. Vor solchem Opfergeist muss der gewöhnliche Bürger verstummen.
In der KIPA als «Seitenschiff» erschienen
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/bloches-opfergeist-oder-seine-archaische-welt/