Wer ist ein guter Christ?

Was macht einen guten Christen/eine gute Christin aus? Eine wichtige Antwort gibt uns die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte: Sie schildert sehr prägnant und eindrücklich das Leben der ersten Christengemeinde in Jerusalem. Wir finden darin – neben andern–  die die beiden Hauptelemente  das gottesdienstliches Leben und die Sorge füreinander. Schauen wir miteinander diese beiden Elemente ganz kurz an, ohne dass ich Sie mit dem Zitieren des ganzen Textes langweile.
Zum gottesdienstlichen Leben der Urgemeinde heisst es: «Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und assen miteinander in Freude und Einfalt des Herzens.»
Diese Beschreibung dokumentiert eine Übergangszeit. Auf der einen Seite fühlten die Jünger und Jüngerinnen Jesu sich immer noch als jüdische Gläubige und gingen in den Tempel. Auf der andern Seite entwickelten sie eigene Gottesdienstformen, indem sie in ihren Häusern gemäss dem Auftrag Jesu Abendmahl feierten.
Ins Heute übersetzt kann dies heissen: Es gibt eine Vielfalt von liturgischen Formeln.
Dies ist so, weil äussere Zwänge dazu führen. Konkret: Weil es für die Feier von Messen nicht mehr genügend Priester gibt, wurden Wortgottesdienst-Feiern eingeführt. Dabei entdeckt man immer besser, dass nicht nur im Teilen des Brotes/der Hostie Gottesbegegnung geschieht, sondern auch im gemeinsamen Hören des Wortes Gottes.
Auf diesem Wege könnten wir noch viel mehr tun: zum Beispiel, indem die Gläubigen wie die ersten Christen in ihren Häusern zusammenkommen, um miteinander dem Wort Gottes zu begegnen in Bibelgruppen. Die lateinamerikanischen Gläubigen  geben uns diesbezüglich seit vielen Jahrzehnten gute Beispiele.
Und das zweite Haupt-Element aus der heutigen 1. Lesung. Die folgenden Sätze gehören zu jenen, die aus dem Neuen Testament am meisten zitiert wurden: «Alle, die gläubig geworden waren, hielten zusammen und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen mit, jedem wie er es nötig hatte.»
Allerdings hat die Bibelwissenschaft inzwischen herausgefunden, dass diese Schilderung ein Ideal betrifft, das nie ganz erreicht wurde. Aber immerhin: Die Verpflichtung, füreinander da zu sein, einander zu helfen wurde von den ersten Christen als ganz wesentlich angeschaut. Sie waren überzeugt: «Wir sind eingeladen, nicht nur die Hostie, sondern auch das tägliche Brot miteinander zu teilen.»
Wenn das beschriebene Ideal damals wie heute längst nicht immer verwirklicht wurde und wird, geschieht doch diesbezüglich sehr viel in unseren Pfarreien oder durch Werke wie Caritas und Fastenopfer.
Schon manche Mitbrüder, die zum Beispiel in Tansania als Missionare tätig sind, habe ich gefragt: «Warum kommt ein so genannter Heide dazu, Christ zu werden?» Die Antwort lautet meistens: «Sie sehen, wie die Christen füreinander da sind und sagen sich: So möchte auch ich leben.»
Damit sind wir am Ende des heutigen Abschnittes aus der Apostelgeschichte: «Die Gläubigen waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrem Kreis hinzu, die gerettet werden sollten.»
Oder wie es anderswo in der Apostelgeschichte heisst: «Die Leute sagten: Seht, wie sie einander lieben.»
Darum ganz zum Schluss die Frage: Können heute Menschen mit Blick auf die Pfarrei Buchrain/Perlen sagen: «Seht, wie sie einander lieben.»?
Buchrain Sa 18.15; Perlen 10.00

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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