«Wie viel verdienen Sie?» (zur Mindestlohn-Initiative)

Ich finde es immer äusserst peinlich, wenn ein gut oder sehr gut Verdienender in Artikeln den schlechter Verdienenden beibringt, sie sollten bitte sehr mit ihrem Hungerlohn zufrieden sein. Jemand hat vorgeschlagen, der Autor solle in solchen Fällen hinzufügen, wie viel er selber verdient. Also etwa: «Hans Meier (15 000) setzt sich für Löhne von 3500 ein.» Wenn dies zur Norm würde, würde es im Blätterwald merklich stiller.
Ich weiss, besagte Autoren sind sich bewusst, dass man mit sehr geringen Löhnen nicht leben kann. Aber da gibt es doch noch die Sozialhilfe, spricht den Steuerzahler. Aber just diese Kreise beten das Credo der «Steuer-Optimierung». Dank sehr gut bezahlten Beratern gelingt es ihnen, möglichst wenig oder bisweilen auch – trotz vollen Kassen – keine Steuern zu bezahlen.
Ein brisantes Detail: In einer Schweizer Monatszeitung, deren Namen hier diskret verschwiegen wird, lässt der Herausgeber und Chefredaktor an der Mindestlohn-Initiative kein gutes Haar; selbstverständlich ohne anzugeben, wie viel ihm das super-neoliberale Blatt bezahlt. In der gleichen Nummer wird der Wunsch geäussert, es möge die «allgemein akzeptierte Erkenntnis reifen, dass der Kampf gegen Steuerhinterziehung keineswegs zur obersten Staatsraison gehört.» Uli Hoeness lässt grüssen …

Erschien in der KIPA als «Kommentiert»

Vielleicht hat jemand den Mut (die Frechheit?) einem einschlägigen Autor und Referenten die Frage nach seinen Einkünften zu stellen. Die Kommentar-Funktion steht hier für Erfahrungsberichte zur Verfügung …

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/wie-viel-verdienen-sie-zur-mindestlohn-initiative-1/