Kirchenreform: Bischofskonferenzen sind verantwortlich

Papst Franziskus wird kaum grosse Reformen durchführen. Doch seine entscheidende Leistung heisst «Abbau des Zentralismus». Diese vielfach geäusserte Annahme bestätigt mein «alter» Freund Erwin Kräutler, Bischof von Xingu, in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten:
 
Kirchenreform. Papst Franziskus will nichts allein von Rom aus entscheiden. Er setzt auf Initiativen von Bischofskonferenzen.
Bischof Erwin, Sie waren exklusiv beim Papst. Wie hat Franziskus Sie empfangen und was konnten Sie vorbringen?
Kräutler: Der Papst hat mich sehr liebenswürdig und unheimlich herzlich empfangen. Es war für mich eine grosse Auszeichnung, dass ich mit ihm knapp 20 Minuten allein habe reden können.
Das erste Thema war die Situation der bedrohten Indios in Amazonien, ein zweites war unsere grosse Not, weil wir für 800 Gemeinden nur 27 Priester zur Verfügung haben. Wie hat der Papst auf diese seelsorgliche Notlage reagiert?
Kräutler: Ich habe dem Papst berichtet, dass ich Bischof der flächenmässig grössten Diözese Brasiliens mit 700.000 Gläubigen bin und dass unsere Gemeinden nur zwei bis drei Mal im Jahr die Eucharistie feiern können.
Franziskus hat erwidert, der Papst könne von Rom aus nicht alles selbst in die Hand nehmen. Wir Bischöfe seien vor Ort, wir würden die Bedürfnisse unserer Gemeinden am besten kennen und wir sollten ihm daher ganz konkrete Vorschläge machen. Wir sollten «corajudos» sein, sagte er auf Spanisch, das heisst couragiert, mutig, beherzt, kühn.
Ein Bischof sollte nichts im Alleingang machen, sagte der Papst. Regionale und nationale Bischofskonferenzen sollten sich auf Reformvorschläge einigen. Die sollten wir dann in Rom vorbringen. Wurde bei der Audienz mit dem Papst die Weihe von verheirateten Männern angesprochen?
Kräutler: Es ist im Zusammenhang mit der Not unserer Gemeinden auch das Wort von den Viri probati gefallen, also von bewährten verheirateten Männern, die zu Priestern geweiht werden könnten. Der Papst selbst erzählte von einer Diözese in Mexiko, in der jede Gemeinde einen Diakon habe, aber viele keinen Priester. Es gebe 300 Diakone, die freilich nicht die Eucharistie feiern könnten. Die Frage sei, wie das weitergehen könne. Dazu sollten die Bischöfe Vorschläge machen.
Das heisst, dass es jetzt sehr von den Bischofskonferenzen abhängt, ob in der Kirchenreform etwas weitergeht?
Kräutler: Ja, davon bin ich nach diesem persönlichen Gespräch mit dem Papst absolut überzeugt.

Walter Ludin

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