Früher wurden sehr viele Ehen geschieden ....

«Kaum ein kirchliches Dokument verzichtet auf die Individualismus-Schelte», heisst es im neuen Publik-Forum. Dies geschieht häufig im Kontext der Ehescheidungen. Als Grund für diese wurde kürzlich in einem Gespräch von meinen Bekannten die freizügige Frauenmode genannt …
Jeder und jede meint noch andere Gründe für die leider sehr häufigen Scheidungen zu nennen. Aber fast alle vergessen, was im besagten Artikel steht: «Wenn wir das Ideal der lebenslangen Ehe unter demokratischen Faktoren genauer betrachten, dann können wir erkennen, dass eine lebenslang geschlossene Ehe im Durchschnitt nach 15 Jahren ihr Ende fand.» Und zwar zumeist durch Tod: Wegen den Risiken von Schwangerschaft und Geburt lag die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen 30 Jahren.
Brutal ausgedrückt: Eine Ehe, die 15 Jahre dauerte, konnte nicht mehr geschieden werden; sie war es bereits infolge Tod.
Noch was, ebenfalls im zitierten Artikel: «Ein Ausstieg aus der Versorgungsgemeinschaft Ehe war für Frauen nicht vorgesehen.» Ein Blick auf die Familiengeschichten der meisten von uns bestätigt dies: Was konnte z.B. eine Bäuerin, die nichts gelernt hatte, tun, wenn sie ihren Mann verlassen hätte? Sie wäre sehr arm dran gewesen. Es blieb nur das Ausharren.
Was ist besser: Eine Ehe scheiden? Oder lebenslang an der Seite des Partner dahindarben?
Übrigens: Trotz allem wäre heutzutage von den Partner mehr «Frustrationstoleranz» oder Resilienz gefragt, um Zeiten der Krisen zu überwinden. (Wenn ich es nicht gesagt hätte, hätte  Kari in einem Kommentar daran erinnert …)

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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