Die «Neue Luzerner Zeitung» hat sich geweigert, eine Kolumne von Pfarrerin Ruth Brechbühl abzudrucken, Darin befasste sich die Theologin mit dem Ergebnis der Abstimmung über die SVP-Initiative «gegen Masseneinwanderung». Dies macht jetzt der «Kirchenbote» öffentlich. Zuerst der Text, der uns von der NLZ vorenthalten wurde. Und dann Hintergründe zur Zensur …
Willkommen
Reisen Sie auch gern? Ich selbst liebe es, Menschen in anderen Ländern und mir fremden Kulturen zu begegnen. Das schönste daran ist: fröhlich und freundlich willkommen geheissen zu werden. Ein gutes Erlebnis, denn es bereichert, öffnet neue Horizonte. Und selbstverständlich möchte ich diesen Menschen zurückgeben, was sie mir geschenkt haben. Selbstverständlich – nicht einfach, weil es in der Bibel geschrieben steht oder weil Jesus es gesagt hat: «Wie immer ihr wollt, dass die Leute mich umgehen, so geht auch mit ihnen um! Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten.» (Mt 7,12)
Einleuchtend für alle Christinnen und Christen! So dachte ich bis vor knapp zwei Wochen, denn dieser Vers ist die elementare Basis für ein christliches Abendland. Doch nur etwa ein Drittel findet es selbstverständlich, ein gutes weiteres Drittel interessiert sich nicht für Werte, die uns Menschen friedlich mit- und beieinander leben lassen.
Ist diese Botschaft wertlos geworden? Weshalb? Haben wir als Christinnen und Christen es versäumt, diese Werte lebendig bleiben zu lassen? Es scheint so. Die Angst, keinen Platz mehr in der Welt zu haben, ist sichtbar grösser als die Einsicht, dass mir Platz angeboten wird, wenn ich ihn selbst auch anbiete: Denn darin besteht das befreiende des Evangeliums!
Zu Gefangenen im eigenen Land sind wir nun geworden. Ach, wo bleibt sie nur, die befreiende Botschaft des Evangeliums? Haben wir sie gleichzeitig mit den elementaren Werten beerdigt? Ich fürchte es. Aber wir lassen uns nicht gefangen nehmen. Wir stehen weiterhin sichtbar und spürbar ein für die goldene Regel, wie der Evangelist Matthäus sie uns überliefert hat, und wir sagen den Gästen in unserem Land fröhlich und freundlich: Willkommen!
Ruth Brechbühl, Pfarrerin, Stansstad
Das Organ der Reformierten im Kanton Luzern berichtet auf der ersten Seite seiner Ausgabe vom 4. April über diesen Vorgang und braucht dafür den Titel: «Maulkorb für Pfarrerin». Darin wird geschildert, wie der Zensurakt ablief. Die Redaktion habe angeboten, den Beitrag «zu entschärfen» oder als Leserbrief abzudrucken, nicht aber in der vorgesehenen Form der Kolumne.
Der Kirchenbote zitiert den zuständigen Redaktor der «NLZ», der gesagt haben soll, es sei «heikel, das Stimmvolk derart anzugreifen», zudem befürchte man «negative Leserreaktionen». Damit sich die LeserInnen des Kirchenboten selber ein Bild machen können, wird die Kolumne von Pfarrerin Ruth Brechbühl auf Seite 2 des Organs der Reformierten Kirche abgedruckt.
Ruth Brechbühl hat sich inzwischen aus dem Kreis der KolumnistInnen bei der «NLZ» verabschiedet.
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Liebe Ruth, ich hoffe, du findest ein neues Medium. Ich werde deine Kolumnen vermissen…..
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/was-wir-in-der-neuen-luzerner-zeitung-nicht-lesen-durften/