Man mag Kardinal Marx schätzen. Aber was der neue «Vorsitzende» hier sagt, muss doch hinterfragt werden.
«Brauchen starke Zentrale»
In einem Interview der deutschen «Welt am Sonntag» wandte sich der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz klar gegen deutsche Sonderwegen bei innerkirchlichen Streitfragen. «Ich sage klar: Wir brauchen eine starke Zentrale. Rom ist wichtig für die katholische Kirche», sagte Marx. «In den grossen, wichtigen Fragen wie etwa auch dem Zölibat oder der Frage der wiederverheiratet Geschiedenen wird weiterhin eine gemeinsame, gesamtkirchliche Entscheidung notwendig sein.»
Zugleich meinte der Münchner Erzbischof, der Wunsch von Papst Franziskus nach Dezentralisierung sei «offensichtlich». Er habe ihn schriftlich geäussert und nicht nur einmal beiläufig in einer Predigt erwähnt.
Was nun? Dezentralisieren wie es der Papst wünscht. Und dabei doch alles der «starken Zentrale» überlassen. Auch wenn es hier nicht um Demokratie in der Kirche geht, denke ihn das von mir bereits zitierte Wort eines Bundesrates: «Demokratie darf nicht in Demokratie ausarten.»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant